Die Studenten protestieren, und alle finden das gut. Politiker, Professoren, eine ganze Gesellschaft ist im Geiste dabei: beim Protestmarsch durch die Innenstadt und bei der Vollversammlung im Audimax, im Asta-Streikbüro und bei der Demo auf dem Rathausmarkt. Der Protest wird von einer weichen Welle der Sympathie getragen; der Bundespräsident selbst hat mit seiner Rede gewissermaßen die Schirmherrschaft übernommen. Alle wissen: Die Studenten haben recht. Die Hochschulen sind chronisch unterfinanziert und überbelegt. Sie erfüllen ihren klassischen Auftrag von Forschung und Lehre immer weniger. Damit sind sie in ihrer Existenz bedroht.

Die Öffentlichkeit reagiert mit aufgeklärter Ratlosigkeit oder zielloser Tatbereitschaft. Wer ist schuld an der Misere? "Die Studenten", sagen die Hochschulen, denn diese seien von den Schulen schlecht vorsortiert und kaum studierfähig. "Die Professoren", sagen die Studenten, denn die Professoren seien uninteressiert an ihrem Lehrauftrag und bildeten ihre Schüler schlecht aus. "Die Politiker", sagen die Professoren, denn sie schickten immer mehr Studenten an die Hochschulen, ohne das nötige Geld für deren Ausbildung auszugeben. "Die Professoren", sagen die Politiker, denn diese forderten immer nur mehr Geld, wollten dafür aber nicht mehr leisten.

Seit über zwanzig Jahren werden diese Schuldzuweisungen nun ausgetauscht und ersticken alle Ansätze zur Veränderung im Keim. Zwar regt sich hie und da ein Gedanke, wird da und dort ein wenig experimentiert, aber Geld und gute Worte sind nicht genug. Sie füllen allenfalls Präsidentenreden - und das Geld versickert im Massenbetrieb.

Als vor rund zehn Jahren die Studenten schon einmal ihrem "Unimut" mit Protestaktionen Luft machten, sollte ein vom damaligen Bildungsminister Möllemann aufgelegtes Sonderprogramm helfen. Doch nach einigen Jahren war das Geld aufgebraucht, ohne daß sich am Zustand der Hochschulen viel geändert hätte. Und so stehen wir - wieder einmal - vor der bitteren Erkenntnis: Wenn es einfach wäre mit der Reform, dann hätte sie nicht zwanzig Jahre auf sich warten lassen.

Auch in den nächsten zwanzig Jahren wird sich nichts ändern, sofern nicht alle Beteiligten endlich ein paar unangenehme Wahrheiten zur Kenntnis genommen haben. Wenn der Staat dem gesamten Bildungssektor nicht mehr Freiheit läßt, wenn die Studenten sich weigern, zu akzeptieren, daß ihre Ausbildung nicht länger eine einklagbare Sozialleistung sein kann, und wenn die Hochschulen sich nicht endlich für die künftigen Anforderungen rüsten, dann wird alles, dann wird das gesamte Hochschulwesen in Verlogenheit, Unbeweglichkeit und wachsender - auch geistiger - Verarmung verkümmern.

Was also ist zu tun? Den undankbarsten Part haben die Hochschulen selbst zu übernehmen. Sollen Bildung und Ausbildung sich nicht immer weiter von den gesellschaftlichen Realitäten entfernen, müssen sie drei Aufgaben erfüllen.

Erstens: ein gestrafftes berufsbezogenes "Ausbildungsstudium" gewährleisten;