RTL, Samstag, 22. November: "Fischers"

Der Herrenwitz hat einen schlechten Ruf - den muß er haben, sonst wäre das Salz raus. Der Altherrenwitz hingegen löst Fluchtimpulse aus: Man ist überzeugt, man kennt ihn schon, und wenn nicht, ist's auch besser so.

Was soll man nun von einer Sendung halten, die ein einziger Altherrenwitz ist? Ottfried Fischers "Satire-Show" konnte kein schärferes Tempo haben als das ihres beleibten, gravitätisch daherschwankenden Moderators, aber das hätte den Geist, der überall, auch in den Dicken, wehen will, nicht tangieren müssen. "Fischers" war vom guten Geist, dem der Satire und sogar der schlichten Spaßmacherei, vollkommen verlassen. Es blieb der Altherrenwitz. Und der war so erschütternd komisch wie jener aufspringende Hosenlatz mit abplatzenden Goldknöpfen, welcher als eine Art visueller Zwischentext die Sketche, Conférencen und Clips des Abends voneinander trennte.

Fischer, als "Bulle von Tölz" erfolgreich und seiner Ruhe wie seiner Mimik wegen absolut bildschirmtauglich, bewies mit diesem Einstand in der Show-Arena, daß Schauspielerei und Showmasterei zwei Paar Stiefel sind und ihm nur erstere passen. Wenn er Witze erzählte, konnte man sich an seinem bübischen Gesichtsausdruck erfreuen, mußte danach aber ja leider noch die Pointe ertragen. "Überall sind Löcher, vom Schweizer Käse bis zum Haushalt" und dann durfte in einer Tricksequenz Theo Waigel als "Herr der Löcher" eine Verführungsnummer hinlegen. Nee, Leute, so alt sind wir noch nicht.

Vielleicht hat auch der Anspruch, die gute alte Samstagabend-Show zum soundsovielten Mal zu exhumieren, dazu beigetragen, dem Unternehmen Fußfesseln anzulegen. Frank Elstner trat als Gast auf - er, dessen Ruhm darin besteht, "Wetten, daß ..." erfunden zu haben, sollte "Fischers" seinen Segen geben und die Weihe des großen Samstagabend auf die Veranstaltung herabbeschwören. Aber alles, was da waberte, war der dumpfe Geruch, der entsteht, wenn jemand eine Mumie auswickelt. Der Familiensamstagabend ist vom Kalender gestrichen worden und der Altherrenwitz von der Gagliste.

Und wenn am Samstagabend doch mal 'ne Ausnahme gemacht wird, dann um der Klassik willen, zu der "Wetten, daß ..." nun gehört. "Fischers" hat versucht, sich über den Altherrenwitz Anschluß an diese Tradition zu erschleichen, und das ist ihm gründlich mißglückt. Die Republik ist zu jung dafür.

Der "Bulle von Tölz" traute sich allein nicht in den Ring, er nahm Markus Maria Profitlich mit, der ähnlich kräftig gebaut und dem Altherrenwitz zugeneigt ist. Mag sein, daß Profitlich auf der Comedy-Bühne was bringt; hier, im Zirkus, überzeugte er nur, wenn er Fratzen schnitt, was er wirklich prima kann. Als Star der Einspielfilmchen, die Münchner Humor mit Profitlichem Holzhackercharme paaren sollten, brachte er die Zuschauer höchstens zum Schulterzucken.