Das hat es in der Wirtschafts- und Mediengeschichte noch nicht gegeben: daß ein Wettbewerber zum Verbot eines mißliebigen Konkurrenten aufruft. Daß er an den Gesetzgeber appelliert, ihn abzuschaffen oder doch so weit zu beschneiden, daß sich das eigene Geschäft endlich ungehemmt entfalten kann. Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), der 160 Firmen vertritt, versucht genau das in einer "Kommunikations- und Medienordnung 2000 plus", die die Mitgliederversammlung in München am Donnerstag dieser Woche beschließen will. Bei dem bislang geheimen Strategiepapier, das der ZEIT in der 6. Entwurfsfassung vom 10. November vorliegt, handelt es sich um ein Manifest zur Eliminierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, um eine Utopie der nur noch kommerziellen Kommunikation.

Ginge es nach dem VPRT, dürften die Landesrundfunkanstalten und das ZDF in Zukunft nur noch kompensatorisch senden, "wenn durch privatrechtliche Kommunikationsunternehmen nachweislich Inhalte nicht angeboten werden, deren Fehlen die kulturelle und soziale Entwicklung der Gesellschaft beeinträchtigen würde". Da die Privaten - angeblich - alles selber können, soll die frühere Grundversorgung reduziert werden "auf einen schnell abnehmenden Anteil von Inhalten im Bereich der Kultur und der Bildung". Für Minderheiten wären ARD/ZDF noch zuständig, "Toleranz für Andersartiges" müßten sie fördern, doch "allenfalls für eine absehbare Übergangszeit". Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, hier wird er in den Vorruhestand geschickt, und die finale Bestattung ist dabei schon mitgedacht.

Die Utopisten des Kommerziellen können auch konkret: Dem Gesetzgeber schlagen sie allen Ernstes vor, die acht dritten Programme, Arte, 3sat, Phoenix, Kinderkanal und die neuen ARD/ZDF-Digitalangebote sowieso abzuschaffen. Wegfallen soll auch der Großteil der jetzigen 54 landes- und bundesweiten Hörfunkprogramme. Wäre das schön, sich all dieser lästigen Konkurrenten entledigen zu können!

Dem Publikum gegönnt würde noch dieses: ARD und ZDF, wobei das Erste wieder regionalisiert werden soll, ein 4sat-Kulturprogramm, das aus 3sat und Arte fusioniert würde, und als viertes noch ein "Föderalprogramm", das über alle Bundesländer berichtet und an die Stelle der früheren Dritten träte. Kahlschlag auch im Hörfunk: Jede Anstalt dürfte in ihrem Verbreitungsgebiet nur noch zwei Radioprogramme senden und müßte obendrein in eins davon offene Kanäle und nichtkommerzielle Lokalprogramme integrieren. Die heutigen zwei Programme des DeutschlandRadios würden auf eines zusammengestrichen: "Bildung/Kultur/Klassik", so der VPRT in enger Auslegung dessen, was seiner Klientel auf dem Hörermarkt nicht weh täte.