Wahrscheinlich im Februar erscheint das gemeinsame Buch. Oder vielleicht doch besser am 2. März, am Tag nach der Landtagswahl in Niedersachsen? Die Autorin überlegt kurz und lacht.

Ist das nicht ein Politikum, ein solcher Doppelauftritt in einem Moment, in dem über die Kanzlerkandidatur der SPD entschieden werden muß, wobei der Koautor als Bewerber gilt? Ja! lautet die Antwort lakonisch. Und wieder vergnügtes Gelächter. Aber man weiß natürlich nicht, wie das Buch ankommt.

"Keine Angst vor der Globalisierung. Wohlstand und Arbeit für alle": Der Titel ist Programm. Die Verfasser: Christa Müller und Oskar Lafontaine. Es ist nicht alles Müller darin, aber man darf annehmen, daß sie ein bißchen mehr Zeit in das gemeinsame Projekt investiert als ihr Mann, der seit 1995 an der Spitze der SPD steht. Natürlich, sie tauschen sich aus. Christa Müller zum Beispiel plädiert in der Rohfassung für Studiengebühren, er hält dagegen. Mal sehen, wer sich bei Drucklegung durchgesetzt hat.

Ihr Arbeitsplatz: das eigene Haus in Saarbrükken. Sie ist eine "ältere Mutter", wie sie es ausdrückt, Carl Maurice ist gerade neun Monate alt. Beschäftigt ist sie mit Kind und Buch, vor allem aber mit einem Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der sie angestellt ist. Dort arbeitet sie im kleinen Team der Zukunftskommission.

Sie ist Sozialdemokratin. Und wie! Auf ihre SPD läßt sie nichts kommen, nicht für eine Sekunde hat man das Gefühl, sie betrachte diese Partei als alte Tante, die ihre schönsten Jahre hinter sich hat. Irgendwie macht sie immer den Eindruck, mit Spaß dabeizusein. Für die Arbeit bei der Stiftung gilt das übrigens auch. Oder für das Buch mit "Oskar". Von Carl Maurice zu schweigen. Alles ist, wie es scheint, irgendwie eine Familie.

Mal sagt Christa Müller: Ich denke! Mal sagt sie: Wir wollen! Das geht alles bunt durcheinander. Sie will nicht für andere sprechen, vor allem aber will sie keine abgeleitete Größe sein. Sagen wir so: Ein Plakat, auf dem sie gemeinsam mit Lafontaine aufträte, wenn er denn Kanzlerkandidat wäre, kann man sich mit ihr nur schwer vorstellen.

Warum sollte sie auch eine herausgehobene Stellung beanspruchen? Das muß in der Sache begründet sein, denkt sie laut. Von Emanzipation spricht man nicht, emanzipiert ist man.