Bernhard Wördehoff und Wolfram Siebeck ließen sich kürzlich an dieser Stelle über die Soljanka aus. Während jener empfahl, die in der DDR so beliebte Suppe auch in den alten Bundesländern zu servieren, hielt dieser sie für ein Gericht, das allenfalls Wolgaschiffern bekömmlich sei. Folgende Zuschrift erinnert, daß in der DDR auch eine zweite ukrainische Suppe gern gelöffelt wurde.

OSNABRÜCK. - Rote Bete ist in Westeuropa ein Stiefmütterchen. Entweder unverfeinert und kinderquälend verfüttert oder im Glas eingelegt, fristet sie hierzulande ein recht unkulinarisches Dasein. Billig, haltbar und hie und da mit dem unleckeren Attribut "gesund" belegt, verschwendet kaum jemand einen hungrigen Gedanken an die farbenfrohe Knolle.

Weiter östlich, in den slawischen Ländern, Rußland und der Ukraine, wird die Rote Rübe dagegen hoch geschätzt, deren Markenzeichen der blutrote Saft ist, der alles färbt, was nicht sowieso schon diese Farbe besitzt.

Das wohl bekannteste Gericht "Borschtsch", eine Suppe von Roten Beten, ist im wahrsten Sinne des Wortes für alle Menschen, die des Kyrillischen nicht mächtig sind, unaussprechlich. Um nämlich dem einen kyrillischen Buchstaben der Originalbezeichnung nahezukommen, bedarf es im Deutschen der sieben lateinischen Buchstaben "schtsch" (und besonders originalgetreu klingt es dann noch immer nicht!). Wer nun hieraus schließen möchte, beim Borschtsch handele es sich um eine russische Nationalspeise, der irrt. Denn was in vieler Länder Küchen zu finden ist, kommt aus der Ukraine.

Mischa, Besitzer eines gleichnamigen ukrainischen Restaurants in Osnabrück, wuchs mit Borschtsch auf und erzählt: "Als ich ein kleiner Junge war, saß die ganze Familie mittags um den großen runden Küchentisch und wartete darauf, daß unsere Babuschka den dampfenden Topf hereintrug. Natürlich wurde nicht jeden Tag Borschtsch gekocht, aber er war eben besonders beliebt."

Was genau ist nun Borschtsch? Es handelt sich um eine Gemüsesuppe, in der die Rote Bete herrscht, ohne jedoch eine artenvielfältige Begleitflora zu unterdrücken. Bis zu zwanzig verschiedene Ingredienzien können die ebenso zahlreichen Varianten des Borschtsch enthalten, zum Beispiel Sellerie, Kartoffeln, Möhren, Tomaten, Bohnen, Knoblauch, Rind-, Schweine- oder gar Hühnerfleisch ... Ob vegetarisch oder nicht, hängt gleichfalls von Lust, Laune und Möglichkeiten der kochenden Person ab.

Doch welche Variante man auch betrachtet, eine Essenz ist essentiell: Ohne Essig, saure Sahne oder sonstwede Säure kommt kein Borschtsch auf den Tisch.