Gary Smith drängt es zu neuen Taten: Soeben hat er sich als Gründungsdirektor einer American Academy in Berlin vorgestellt. Dahinter verbirgt sich ein zweites Institute for Advanced Study für die Hauptstadt - neben dem Wissenschaftskolleg. Die Konkurrenz beider Institute wird sich jedoch in Grenzen halten. Das Wissenschaftskolleg deckt mit seiner internationalen Forscherklientel und seinem natur- wie geisteswissenschaftlichen Programm ein weites Feld ab. Smith will dagegen die Naturwissenschaften bewußt auslassen - ein Zugeständnis an die geschätzten Kollegen.

Die Stipendien der neuen Akademie werden nur Amerikanern offenstehen, dennoch geht es um ein Unternehmen zum beidseitigen Nutzen: Die Einrichtung soll auch ein Stützpunkt transatlantischer Forscher sein, für Expeditionen in den Dschungel der deutschen Verhältnisse. Sie sollen angestaubte amerikanische Deutschlandbilder aufpolieren und am lebenden Modell umarbeiten.

Die Akademie wird jährlich fünfzehn bis zwanzig "Berlin-Preise" vergeben, großzügige Stipendien, die vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftlern einen halbjährigen Aufenthalt im "Hans Arnhold Center" ermöglichen sollen.

Die 40-Zimmer-Villa am Wannsee wird derzeit noch umgebaut. Bis zur Vertreibung im Jahr 1933 gehörte sie dem Bankier Hans Arnhold, dessen Erben die Akademie-Stiftung mit 5,2 Millionen Mark auf den Weg gebracht haben.

Erhebliche weitere Mittel müssen noch eingeworben werden, um den privat finanzierten, aufwendigen Betrieb in Gang zu bringen. Bei den vielen prominenten Namen im Treuhänderausschuß darf man jedoch beruhigt sein: Diplomaten wie Richard Holbrooke, Richard von Weizsäcker, Henry Kissinger und Gahl Hodges Burt führen das Kuratorium in seinem Kampf um die Philanthropengunst bei den einschlägigen Galadiners an, Berliner wie Eberhard Diepgen, Volker Schlöndorff und Museumsgründer Erich Marx bürgen für lokale Wurzeln.

Die Auswahl der Stipendiaten trifft ein Komitee, dem die Historiker Charles Maier und Fritz Stern, der Rechtswissenschaftler Dieter Simon, der Philosoph Andreas Huyssen, der Kunsthistoriker Colin Eisler und - als Überraschungsgast - der Regisseur Robert Wilson angehören. Nicht nur Forscher, auch Praktiker - Künstler, Architekten, Filmemacher, Politiker und Journalisten - sollen Gäste des Hauses sein. Gary Smith möchte seine Fellows bei ihrer Arbeit verkuppeln - mit den Berliner Universitäten, dem Aspen-Institut, örtlichen Bühnen, Museen oder den Babelsberger Filmstudios.

Es wird hier also auch um Ausstrahlungen und Wirkungen gehen, die noch vor der Publikation des solide gereiften Forschungsertrags liegen. Zwar wird man sich daran messen lassen müssen, welche bahnbrechenden Essays, Bücher und Aufführungen entstehen. Aber wer Gary Smith als Zampano des Einstein Forums kennt, ahnt schon, daß Berlin mit dem neuen Haus eine Reihe interessanter Vorträge, Konferenzen und sonstiger Ereignisse winken.