Kinder brauchen Bücher", forderte der Pädagoge Bruno Bettelheim, und kaum jemand wird ihm widersprechen. Das Lesen gilt heute unbestritten als Zugangstechnik zum Leben im allgemeinen und zur Kultur im besonderen. Das war nicht immer so: Vor hundert Jahren wurde die Lektüre von "Schundheften" für den Verfall der Sitten bei den Jugendlichen verantwortlich gemacht. Heute macht neben übermäßigem Fernsehkonsum der Kids vor allem das "Daddeln" am Computer Eltern und Lehrern Sorge. Weit verbreitet ist das Schreckensszenario von den vereinsamten Computerkids, die dünn und blaß vor dem Computer als ihrem einzigen Freund hocken. Doch dabei handelt es sich um ein hartnäckiges Vorurteil, das von verschiedenen, von einander unabhängigen Studien längst widerlegt worden ist. Computerkids treiben nämlich genausoviel Sport und spielen genausoviel mit ihren Freunden wie Kinder, die keinen Zugang zum Computer haben.

Auf der anderen Seite wissen Eltern aus ihrer eigenen Alltagssituation, daß ohne Computer nicht mehr viel läuft. Also wollen sie ihren Sprößlingen den Einstieg in den Computeralltag bereits im Kinderzimmer ebnen - es soll eben nur "sinnvolle" Software sein, mit der sich die Kinder beschäftigen, lehrreicher Stoff statt tumber Ballerspiele.

Und tatsächlich kann der Computer ein ideales Medium sein, in dem Lust und Lernen verschmelzen. Edutainment (zusammengesetzt aus education und entertainment) nennt die Branche die neuen Lernmittel. Kinder sind gern Herr über ihr Geschick und lehnen Geschichten und Spiele ab, deren pädagogische Absichten zu deutlich hervortreten. Sie brauchen also Programme, die sie in ihrer Neugier bestärken, die Lust am Ausprobieren, am Spiel fördern, das bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen.

Es reicht allerdings nicht aus, wenn die Eltern in der Vorweihnachtszeit blind ins Regal greifen und zur Beruhigung ihres pädagogischen Gewissens ein paar Lern-CDs zu dem neuen Computer unter den Weihnachtsbaum legen. Wie bei Buch, Fernsehen und Kassetten sind im Umgang mit Edutainment drei Dinge wichtig: die bewußte Auswahl, ein sinnvolles Zeitmaß und eine gewisse elterliche Anteilnahme am Mediengeschehen.

Nicht so einfach, denn das Angebot an Software für Kinder wächst stetig und schnell. Über 350 Titel für Kids verzeichnet der "Kinder Software-Ratgeber 1998" von Thomas Feibel. Auch kann sich die Qualität der Kinderprogramme mittlerweile sehen lassen - sowohl, was die technische Realisierung betrifft, als auch die inhaltliche Gestaltung.

Technisch sind die meisten Programme inzwischen ausgereift. Heute sind sie fast alle für die verschiedenen Rechnerplattformen (PC/Windows und Macintosh) ausgelegt. Probleme bei der Installation sind selten, da die meisten CD-Booklets verständliche Anleitungen enthalten.

Doch was macht eine inhaltlich gelungene Multimediaproduktion aus? Sie braucht ein eigenständiges, dem Medium angemessenes Konzept. Es genügt eben nicht, den Inhalt eines Buches digitalisiert auf eine Silberscheibe zu brennen. Was wiederum nicht heißt, daß ein vorhandener Buchtitel nicht geeignet wäre, daraus eine multimedial und interaktiv gelungene CD-ROM zu produzieren.