Drei Jahre hatten die Vorbereitungen gedauert, doch am Schluß fehlten immer noch zwei Stücke: Die beiden einen Meter achtzig langen Walmesser wurden noch zum Aufschneiden der kürzlich in Dänemark gestrandeten Pottwale gebraucht. Inzwischen sind auch sie in Bonn eingetroffen - neben 500 anderen Exponaten der Ausstellung "Arktis - Antarktis" in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle. Rund 2000 Quadratmeter laden dort zu einer Polarreise durch verschiedene Zeiten und Kulturräume ein. Anhand dreier Schwerpunkte - Menschen, historische Polarfahrten und moderne Forschung - wird das Überleben in Schnee und Eis erkundet.

Im ersten Saal stößt der Besucher auf ein altes, rund sieben Meter langes, aufgeplanktes Walfangboot. Mit der James Caird gelang die wohl unglaublichste Rettung einer Polarexpedition. Sir Earnest Shackleton und fünf seiner Männer stachen damit 1916 in die stürmischste See der Welt, das Wedell-Meer der Antarktis. Denn ihr eigenes Schiff, die Endurance, war vom Eis eingeschlossen und wurde allmählich zermalmt. Nach langem Fußmarsch hatte sich die Mannschaft auf die abgelegene See-Elefanteninsel gerettet und fand dort die James Caird. Auf dem Walfangboot segelte Shackleton 17 furchtbare Tage lang nordöstlich nach Südgeorgien, 1450 Kilometer weit, bis er auf eine Walfangstation traf. Nun konnte eine Rettungsexpedition unternommen werden, die schließlich die gesamte Besatzung der Endurance wieder in wärmere Gefilde zurückführte.

Von den Spuren der Geschichte auf die Spur lebender Tiere: Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes haben zwanzig See-Elefanten mit Satellitentransmittern ausgestattet, um ihr Wander- und Tauchverhalten zu erforschen. Nun kann man sich in Bonn ihren jeweiligen Aufenthaltsort auf den Bildschirm zaubern. Wenn die See-Elefanten im kommenden Februar nach ihrer Häutung die Sender verlieren, können sich die Ausstellungsbesucher ersatzweise an die Flossen von Krabbenfresserrobben heften.

Auch über die Menschen, die in diesen unwirtlichen Breiten leben, erfährt der Besucher in Bonn vieles. Heute leben in der Arktis weit verstreut etwa 100 000 Eskimo, 80 000 Samen und 400 000 Angehörige sibirischer Völker. Wer mag, kann beispielsweise ein Tschum betreten, ein traditionelles, mit Rentierfellen bedecktes Zelt der Jamal-Bewohner. Die Einrichtung ist allerdings karg: Außer einem Herd in der Mitte und einem Tischchen gibt es kein Möbelstück. Die Bewohner sitzen und schlafen auf Rentierfellen. Höhere Ansprüche sind in den eisigen Wüsten fehl am Platze.

Worauf es dort wirklich ankommt, symbolisiert im Eingangsbereich der "Schneemann" von Joseph Beuys, der - auf seinen eigentlichen Kern zusammengeschmolzen - ein bloßes Stück Kohle ist: Augen und menschliche Wärme.

Die Ausstellung "Arktis - Antarktis" in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn ist täglich - außer montags - bis Mitte April 1998 zu sehen