Wie schön waren die Zeiten, als die Bahn noch verhältnismäßig wenig Anstrengungen unternommen hat, pünktlich zu sein. Da konnte man morgens ruhig ein bißchen länger schlafen oder gemütlich beim Frühstück die Morgenzeitung studieren, ohne gleich befürchten zu müssen, seine Verabredungen oder Verpflichtungen zu versäumen. Diese Lebensqualität war um so wichtiger, als das Dasein ohnehin von Tag zu Tag reglementierter und eingeengter wurde: Immer mehr Stechuhren und Computer machen es zunehmend schwerer, aus dem Augenblick heraus sein Leben wertvoll und individuell zu gestalten und zu genießen.

Jetzt aber will die Bahn mit preußischem Zickezacke und gewaltigem technischen Aufwand eine der letzten Freiheiten attackieren.

Pünktlichkeitsanzeiger auf den Bahnhöfen sollen jedem Reisenden diesen Verlust auch noch als Fortschritt verkaufen. Dabei wird der Mensch zum Gefangenen der Fahrpläne.

Als wenn die Bahnmanager nicht Wichtigeres für ihre Kunden tun könnten. Zum Beispiel im Speisewagen Kaffee heiß und Bier kalt zu servieren. Die wahren Lebenskünstler wissen es schon längst: Reisen heißt nicht, anzukommen, sondern unterwegs zu sein.