Alle Entscheidungen sind schwierig, aber manche sind schwieriger als andere. Relativ leicht ist es noch, wenn es sich um mathematisch erfaßbare, objektiv beschreibbare Probleme handelt. Doch wie schwer ist es, wenn es um politische Probleme geht. Folgender Fall hat sich gerade zwischen China und den Vereinigten Staaten abgespielt: Die Regierung Peking hatte sich bereit erklärt, den Dissidenten Wei Jingsheng nach Amerika ausreisen zu lassen.

Dabei hat sicher der Wunsch eine Rolle gespielt, gut Wetter für den Besuch des chinesischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten zu machen. Auch hatte Peking wohl vorausgesetzt, daß Äußerungen Weis von amerikanischer Seite nicht gegen die chinesische Regierung verwendet würden. Voice of America, trotz Finanzierung durch die US-Regierung eine der unabhängigen Rundfunkanstalten, führte aber ein Interview mit dem Dissidenten und wollte sich auch durch Interventionen aus dem Weißen Haus nicht von dessen Ausstrahlung abhalten lassen.

So stand denn das verbriefte Recht auf Pressefreiheit in Widerspruch zu den berechtigten Sorgen wegen der außenpolitischen Folgen. Im Hinblick auf diesen Dissens gab es wiederum zwei miteinander streitende Meinungen. Die einen, darunter Washingtons Botschafter in Peking, gaben zu bedenken, daß eine solche Sendung jede weitere Freilassung chinesischer Regimekritiker gefährden werde und darum unterbleiben müsse. Die anderen, eine Art von Kalten Kriegern, argumentierten genau umgekehrt und sagten, nur wenn Druck ausgeübt werde, gebe es Aussicht auf verbesserte Einhaltung der Menschenrechte und Entlassungen weiterer Gefangener.

Die armen Politiker: Welche Entscheidung sie auch treffen, sie werden kritisiert. Wir aber können froh sein, daß wir nur Beobachter sind.