Es ist eine Demokratie mit Schlagseite. 78 Prozent aller Abgeordneten im Deutschen Bundestag und in den Länderparlamenten sind Männer. Die politischen Führungspositionen auf Bundesebene sind nur zu 18 Prozent von Frauen besetzt.

Zwar beteuern alle Parteien, auf die gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen nicht verzichten zu wollen, zwar nehmen alle für sich in Anspruch, Frauen die gleichen Karrierechancen einzuräumen wie den Männern, aber der Erfolg bleibt aus, trotz Quotenregelung.

Wer oder was hindert Frauen noch immer, in die Politik zu gehen? Und wenn sie in den Parlamenten sitzen - welchen Einfluß haben sie dort? Diese Fragen hat sich das Forschungsprojekt "Frauen in der Politik" an der Technischen Universität Berlin vorgenommen und in einer vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft geförderten Studie untersucht. Für die Studie - "Zur Situation von Frauen in der Politik als Aufgabe der politischen Bildungsarbeit" - wurden allen deutschen Parlamentarierinnen auf Europa-, Bundes-, Länder- und Kommunalebene ausführliche Fragebögen zugeschickt, 27 führende Politikerinnen und Frauen in Führungspositionen anderer gesellschaftlicher Bereiche wurden intensiv befragt.

Die Leiterin der Untersuchung, die Erziehungswissenschaftlerin Barbara Schaeffer-Hegel, kommt zu dem Ergebnis, Frauenförderung könne sich nicht auf die Quote verlassen. "Soll eine geschlechtergerechte Gesellschaft erreicht werden, muß die Macht der Frauen und ihr Einfluß auf politische Themensetzungen durch tiefer greifende Maßnahmen gestärkt werden."

Selbst Frauen, die es "geschafft" haben, kämpfen gegen - durchaus auch selbstverschuldete - Beschränkungen. Die CDU-Politikerin Irmgard Karwatzki, seit 1982 parlamentarische Staatssekretärin in verschiedenen Ministerien und maßgeblich beteiligt an der Durchsetzung der Quote in ihrer Partei, sagt: "Frauen haben keinen Nachholbedarf, was Leistungsnachweise angeht. Was ihnen aber oft fehlt, ist die Fähigkeit zu strategischem, zu taktischem Handeln."

Hinzu kämen oftmals auch familiäre Belastungen. Frauen könnten sich auch, anders als Männer, keineswegs auf "Kameraderie" verlassen.

Die FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer, ehemals Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Bundesbauministerin, beschreibt das so: "Männer lassen Frauen nicht rein. Wer schlägt denn wen für höhere Ämter vor? Männer schlagen Männer vor. Aber Frauen schlagen auch Männer vor - weil sie sich selbst und anderen Frauen nicht soviel zutrauen oder weil es ihnen gar nicht in den Sinn kommt, daß auch Frauen das Amt ausfüllen können."