Ohne weitere technische Hilfsmittel hat Josef Hrycyk die 41 Verhandlungstage im Prozeß gegen den Immobilienspekulanten Jürgen Schneider mitstenographiert. Schon seit 1981 arbeitet Hrycyk, freier Mitarbeiter von Verlagen und Unternehmen, für die ZEIT - vornehmlich bei Diskussionen und Interviews mit Bundespräsidenten, Regierungschefs, Ministern, führenden Unternehmern Deutschlands, Politikern wie Václav Havel und Felipe González oder dem Schriftsteller Alexander Solschenizyn. Auch öffentliche Sitzungen parlamentarischer Untersuchungsausschüsse wie die in Sachen Schalck-Golodkowski und Barschel hat er in ähnlicher Form protokolliert wie den Schneider-Prozeß.

Hrycyk ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Meister seines Fachs: Er erlernte die Kurzschrift mit elf Jahren, war bei Wettbewerben vielfacher Deutscher Meister und weltbester deutschsprachiger Stenograph. Sein Rekord, bei dem er fünf Minuten lang 520 Silben pro Minute schrieb, ist bis heute unübertroffen.

Seine "Textdokumentationen" sind redaktionell bearbeitete und häufig stark gekürzte wörtliche Wiedergaben. Auch der Schneider-Prozeß konnte in der ZEIT nur in Auszügen dokumentiert werden. Die vollständige Wiedergabe hätte für jeden Verhandlungstag etwa zwölf ZEIT-Seiten gefüllt.

Auch wenn niemand im Schneider-Prozeß so schnell sprach, wie Hrycyk bei seinem Rekord stenographierte - die Mitschrift der lebhaften Dialoge erforderte seinen vollen Einsatz. Die sehr lebendige Zeugenvernehmung hat aus seiner Sicht auch das Verfahren geprägt, ganz im Unterschied zu anderen Gerichtsverfahren, die Hrycyk in vergangenen Jahren begleitet hat. Am meisten beeindruckte ihn dabei der Vorsitzende, der - wie Hrycyk erlebt hat - "alle Rollen vor Gericht überzeugend ausfüllen konnte". Verändert hat sich während des Prozesses Hrycyks Sicht des Angeklagten, der sich "nach anfänglichem Zögern am Ende des Verfahrens durchaus glaubwürdig geäußert hat".