Über die Unverfilmbarkeit des Buches muß man nichts mehr sagen.

Geschichten wie die von Lolita können sich nicht aussuchen, ob sie ein Roman, ein Gedicht, ein Theaterstück oder ein Film werden wollen. "Lolita" muß ein Buch werden - dieses Buch.

Andererseits hat Vladimir Nabokov selbst aus seinem Roman ein Drehbuch gemacht, 1960, für Stanley Kubricks Film. Aber Kubrick war klug genug, Nabokovs Vorlage zu ignorieren. "Wir müssen sie zum Sexobjekt machen", lautete die Regieanweisung für Kubricks Lolita. Und: "Sie darf nicht kindlich sein."

Der Roman erzählt eine andere Geschichte. Dolores Haze ist zwölf, als sie zum ersten Mal mit ihrem Stiefvater Humbert Humbert, 37, schläft, und noch keine fünfzehn, als sie aus Humberts brachialen Umarmungen in die schmierigen Fänge des Komödienschriftstellers Clare Quilty flieht. Schließlich, so teilt ein Dr. phil. John Ray junior in Nabokovs fiktivem Vorwort mit, sei "Mrs. Richard F. Schiller" alias Lolita am ersten Weihnachtstag 1952 im Wochenbett gestorben, sieben Tage vor ihrem achtzehnten Geburtstag. Ein kurzes Leben.

Auch Humbert Humbert zweifelt nicht daran, daß er dieses Leben zerstört hat.

Angeklagt wegen des Mordes an Quilty, würde er sich selbst lieber "wegen Vergewaltigung zu mindestens fünfunddreißig Jahren" verurteilen und den Rest der Beschuldigungen fallenlassen. Doch Nabokov läßt ihm keine Zeit zur Buße.

Humbert stirbt im Gefängnis, nachdem er seine Beichte abgeschlossen hat: den Roman "Lolita".