Eigentlich sollte die Sache längst erledigt sein. Denn als die Fried.

Krupp AG Hoesch-Krupp und die Thyssen AG am 4. November ihre Verlobung verkündeten, ließ eine gemeinsame Pressemitteilung keine Zweifel daran, daß die Fusion der beiden Montankonzerne nur noch eine Formsache und in wenigen Wochen erledigt sei. Die Formulierung "Weitere noch offene Punkte werden bis Ende November geklärt" ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Seitdem sind acht Wochen vergangen, ein Ende der Gespräche ist noch nicht in Sicht. Eine für den 19. Dezember anberaumte außerordentliche Sitzung des Thyssen-Aufsichtsrats ist verschoben worden, "bis die noch offenen Fragen steuerlicher und bewertungsrelevanter Art geklärt sind".

Daß es Fragen "steuerlicher und bewertungsrelevanter Art" zu klären gab, kann der sogenannten "Achterbande", die am 4. November so optimistisch getönt hatte, nicht verborgen geblieben sein. Immerhin war die geballte Intelligenz der Ehrenvorsitzenden beider Aufsichtsräte, Berthold Beitz und Günter Vogelsang, ebenso versammelt wie die der Aufsichtsratspräsidenten, Manfred Lennings und Heinz Kriwet, sowie der Vorstandsvorsitzenden, Gerhard Cromme und Dieter Vogel. Und die Teilnahme der Finanzchefs, Gerhard Jooss und Heinz-Gerd Stein, hätte eigentlich Gewähr dafür sein müssen, die strittigen Fragen bis Ende November zu klären.

Jetzt drängt sich der Verdacht auf, daß es gar nicht um Steuer- und Bewertungsfragen geht, sondern um etwas ganz anderes: um die Frage nämlich, wer den neuen Konzern führen soll - Krupp-Chef Cromme oder der Thyssen-Vorstandsvorsitzende Vogel. Darauf hatte man sich am 4. November nicht verständigt - für alle Befürworter der Fusion ein verhängnisvoller Fehler.

Denn es war klar, daß einer der beiden Topmanager vor die Tür gesetzt werden mußte. Sie zusammenzuspannen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Abgesehen davon, daß sich zwei starke Persönlichkeiten immer schwertun, in einem Team zu kooperieren - das Verhältnis zwischen Cromme und Vogel ist gestört, seit der Krupp-Chef Mitte März versucht hatte, Thyssen im Wege einer feindlichen Übernahme zu schlucken und so seinen Duzfreund Vogel letztlich arbeitslos zu machen. Nun hält jeder Konzern an seinem Spitzenmanager fest. Und Berthold Beitz, der mit der Fusion den beherrschenden Einfluß der von ihm geführten Krupp-Stiftung auf den Krupp-Konzern verlieren würde, muß einsehen, daß seine Macht bei Thyssen geringer ist, als er sich das vielleicht vorgestellt hatte.

Zwar würde die Stiftung der mit Abstand größte Aktionär des neuen Konzerns.