Ähnlich verhält sich im Kino der jugendliche Platzanweiser. Platzieren müsse es heißen, entscheidet er reformtreu und setzt prompt hinzu: "Die Reform ist nicht nötig." Obwohl ohne Reform plazieren richtig gewesen wäre.

In einem Lederwarengeschäft bedauert eine Verkäuferin, nachdem sie richtig Portemonnaie zu Papier gebracht hat: Es wäre schade, wenn sie die komplizierte Schreibung, an die sie sich so gewöhnt habe, künftig nicht mehr brauche.

Viele sagen in der Umfrage, sie hätten sich zu den Schreibweisen noch keine Gedanken gemacht, und einige, Deutsche wie Ausländer, geben sogar zu, sie könnten gar nicht schreiben. Aber in Momenten der Unsicherheit entscheiden sich auch Hagener Schuhfachverkäufer häufiger für das neue Bändel als für das alte Bendel.

Die Reaktion der Textilverkäuferin Brigitte Zech ist typisch: Sie halte sich für zu alt, um noch einmal umzulernen. Und dennoch schreibt sie Stofffetzen und Flanelllappen - beides in der neuen Form.

"Die behutsame Modernisierung", um die es der deutschen Kultusministerkonferenz geht, in Hagen (und vermutlich auch anderswo) hat sie schon stattgefunden - so behutsam, daß es niemand gemerkt hat.

"Stängel oder Stengel? Ich weiß nicht, wir benutzen das Wort ja wenig.

Stängel würde ich sagen. Aber ich finde, alles soll weiter so geschrieben werden, wie es war, weil sonst nachher alles falsch ist." Ihren Namen will die Floristin nicht angeben - aus Angst, daß sie etwas falsch schreiben und sich damit lächerlich machen könnte.