Die Unfallserie von Flugzeugen aus Rußland und der GUS hat die Diskussion um die Flugsicherheit in Osteuropa neu entfacht.

Zwei schwere Unglücke von Passagierflugzeugen aus ehemaligen Sowjetrepubliken mit insgesamt über 150 Toten innerhalb von nur zwei Tagen, dazu der Absturz eines Militärtransporters in Rußland mit mehr als 60 Toten eine Woche zuvor - der Dezember war für die Luftfahrt im Osten ein schwarzer Monat.

Doch trotz dieser Katastrophenserie habe sich "die Unfallstatistik für die GUS-Staaten 1997 deutlich verbessert und liegt jetzt sogar unter dem weltweiten Durchschnitt". Das sagt Ulrich Unger, ein ehemaliger Interflug-Pilot und in Rußland promovierter Ingenieur. Unger, der jetzt für die deutsche Condor fliegt, führt eine Statistik aus Moskauer Originalquellen.

Man müsse bei den aktuellen Unglücken genau differenzieren, meint er. Der Unfall des Militärtransporters lasse keine Rückschlüsse auf die zivile Flugsicherheit zu, da das Militär nach anderen Bestimmungen fliege. Die beiden Unfälle in Sharjah und Thessaloniki hätten Charterflüge betroffen, deren Sicherheitsniveau aufgrund mangelhafter Kontrollen in vielen Fällen sehr bedenklich sei. "Das Sicherheitsniveau der Linienflieger dagegen ist relativ gut, hier hat es 1997 keinen Unfall gegeben", erklärt Unger.

Bezeichnend sei auch, daß beide Unglücke im westlichen Ausland passiert sind, und da liege das Problem, sagt der Experte: "Früher waren die Piloten, die ins Ausland flogen, speziell dafür geschult, heute kann jeder fliegen, das ganze Ausbildungssystem ist durcheinandergeraten." Kommen dann wie in Griechenland extreme Wettersituationen und fehlendes Radar hinzu, wachse das Risiko immens.

In Rußland sind nach Angaben Ungers heute 111 Fluggesellschaften aktiv, in allen GUS-Staaten zusammen noch mal etwa 200. Rund 85 Prozent dieser Firmen machen Verluste, 40 von ihnen fliegen auch ins Ausland.

Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) hatte bereits im Herbst vor einem "erheblichem Gefahrenpotential" des Nachlasses der ehemaligen Aeroflot gewarnt.