Aus Marbach am Neckar kommt wieder einmal, wie könnte es anders sein, ein besonders schönes Buch - allerdings mit neuem Reihen-Titel: "Marbacher Bibliothek". Der kleine, schöne, rote Leinenband mit Schillers "Braut von Messina", der Band eins der "Bibliothek" eröffnet, markiert den Abschied von den "Marbacher Schriften". Dort sind seit 1968, neben den Mitgliedsgaben für die Deutsche Schillergesellschaft, viele Einzelveröffentlichungen erschienen - die vom Buchhandel so wenig bemerkt und vertrieben wurden, daß Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv in ihrem weißen Tempel in Marbach, hoch über dem Neckar, Produktion und Vertrieb nun selber in die Hand nehmen. Die "Marbacher Bibliothek" will sich künftig wieder mehr Textausgaben zuwenden - und Band eins ist ein schönes Dokument für philologische und bibliophile Maßarbeit. Schillers Text folgt der Nationalausgabe, enthält aber in eingefalteten Seiten, rot gedruckt, die Bearbeitung von Karl Mickel für die Aufführung am 3. Februar 1990 im Theater der Freien Volksbühne Berlin, samt Dokumenten zur Inszenierung von Ruth Berghaus, eine Notenbeigabe aus der Partitur von Paul Heinz Dittrich, Schillers Aufsatz "Über den Gebrauch des Chors in der Tragödie" und Mickels Essay "Pelageja Messinowa oder Der Chor". Könnte eine anspruchsvoll geplante Reihe schöner beginnen als mit einem so schmalen, dabei mit Text und Materialien so üppigen Band (176 Seiten, 36 Mark 71672 Marbach am Neckar Fax: 07144/ 848-690)?