Das Schönste an diesem Buch: der Titel. Was Kinderspiele sind, glauben wir alle zu wissen. Aber Erwachsenenspiele? Sind das die politischen, beruflichen, erotischen Spiele der scheinbar großen Leute oder doch eher die wenig ernsten, aber mörderischen Spielereien sogenannter Erwachsener mit Krieg und gegenseitiger Unterdrückung? Oder schillert das Wort noch einmal anders und wären Erwachsenenspiele die verzweifelten Versuche eines späten Vetters von Oskar Matzerath, dem Blechtrommler, der auch nicht groß werden will, sich den "großen Leuten" anzupassen, sich in die Welt der Erwachsenen zu fügen?

Deutlich sind die Hinweise, den Titel so ironisch zu verstehen. Schon auf der dritten Seite sehnt sich die Leseratte, die der junge Günter auch ist, zurück in die Geborgenheit einer früheren Lebensstufe: "Ach, wäre ich wenigstens bei den Büchern meines Vorschulalters geblieben, bei Teddy Brumm und seinen Freunden! Statt mich dem Alphabet zu verweigern, sauge ich die Buchstaben gierig ein ...Welch bösartiger Zufall spielt mir Oscar Wildes ,Gespenst von Canterville' in die Hand?! Daß es sich um eine Satire handelt, errate ich nicht. Statt dessen steigt aus den Seiten das Gespenst."

Aus dem alles verschlingenden Leser wird rasch ein Kino-Süchtiger. Eine dicke Zigarre paffend, bestellt er mit tiefer Stimme die Eintrittskarte für einen Erwachsenenfilm. Daß der kleine Raucher kurze Hosen trägt, können die Kassiererinnen erst sehen, wenn er vom Schalter wegläuft und sich in die dunkle Traumhöhle rettet, wo er nicht nur Liebesfilmen entgegenfiebert, sondern auch "Jud Süß" und dem Durchhaltefilm "Kolberg" ausgesetzt ist. Dabei fällt die Bemerkung, die für diese - auch als Abenteuer-Roman zu lesenden - "Erinnerungen" wichtig ist: "Ich bin ein Nachfahre des Simplicius Simplicissimus. Einer, der dank seiner überwältigenden Naivität fast unangefochten durch die Schrecken und Scheußlichkeiten praktizierter Historie schlendert."

Der sich als "Langschläfer" und "Spätaufsteher" outet, hat eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit, Wärme, allumarmendem Schutz. Ist nicht die Sucht-Flucht in die warme, dunkle Höhle der (von Frauen auf der Filmleinwand erhitzten) Kinos Ausdruck solchen Heimwehs? "Keineswegs Heinz Rühmann zuliebe nehme ich 'Quax der Bruchpilot' viermal zu mir. Sondern um Karin Himboldts willen. Eine blonde Fee von sanftem Typus, und ich kaufe mir sofort eine Künstlerpostkarte meiner Abgöttin und trage sie in der linken Brusttasche direkt über meinem Herzen ... Margot Hielscher, die Brünette mit den Kulleraugen, aus deren Singsang ich erfahre, daß Frauen keine Engel seien ...

Zu guter Letzt gerate ich an Evelyn Künnecke, die Verführerin, die Kirke, ein Vamp original Berliner Provenienz ..."

Dies ist kein Junge, der an Mamas Schürzenbändel hängt. Nein, mit der sanften Sturheit, die ein Kennzeichen dieses Menschen ist, will er - wenn schon Regression - gleich zurück in den Mutterleib, also in den symbolischen Raum dafür, das warme, die feindliche Außenwelt abweisende Bett.

Ist es Zufall, daß wir den, der sich hier erinnert, mit Freundinnen, Geliebten selten anderswo sehen als vergnügt, gestillt im Bett - mit durchaus grotesk komischen Überraschungen, so wenn der Vater ins "Halbzimmer" des Sohnes kommt, um dort in Ruhe seine Zeitung zu lesen, weil die Mutter nebenan störenden Besuch empfängt: