Während in anderen Ländern noch hingebungsvoll über den Einsatz von Windenergie gestritten wird, haben die Dänen längst die Weichen gestellt: Gegenwärtig liefern Windmühlen mit rund tausend Megawatt etwa fünf Prozent des dänischen Stroms. Im Jahre 2030 sollen die dänischen Mühlen eine Gesamtkapazität von 4000 Megawatt haben. Das entspräche einem Dutzend Kohlekraftwerken oder einem Viertel des gesamten dänischen Energieverbrauchs.

Von der politischen Entscheidung pro Windenergie profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch die dänische Wirtschaft. Schon längst hat sich der dänische Mühlenbau zu einem ansehnlichen Geschäft entwickelt. Der Umsatz kletterte 1997 auf rund 1,3 Milliarden Mark, die Hersteller beschäftigen mehr als 10 000 Menschen und decken sechzig Prozent des rasch expandierenden Weltmarktes ab.

Achtzig Prozent aller existierenden dänischen Mühlen wurden in privater Initiative errichtet. Das rege Interesse wurde allerdings staatlich gefördert. Beispielsweise bekamen die Käufer bis 1989 dreißig Prozent der Kaufsumme als Zuschuß. Vor sechs Jahren verpflichtete das dänische Parlament die Elektrizitätsgesellschaften, privaten Windstrom mit umgerechnet fünfzehn Pfennigen pro Kilowattstunde zu vergüten.

Die dänischen Hersteller haben klein angefangen. Noch Mitte der achtziger Jahre hatten ihre Aggregate eine Kapazität von nur 55 Kilowatt. Die Hersteller kamen meistens aus der Landmaschinenbranche und legten ihre Produkte auf Robustheit aus. Die Geräte der amerikanischen Konkurrenz waren technisch viel raffinierter, hatten aber einen entscheidenden Nachteil: Sie funktionierten nicht richtig. Und Deutschland setzte gleich auf große Rotoren von 500 Kilowatt. Aber derartige Großmühlen bargen große Probleme und waren damals nicht wirtschaftlich die technische Linie wurde deshalb hierzulande nicht weiterentwickelt. Die Dänen arbeiteten sich währenddessen langsam in die oberen Größenklassen vor. Und jedes Mal sank der Stromproduktionspreis.

Gegenwärtig liefern die dänischen Produzenten 600-Kilowatt-Mühlen, welche an einem durchschnittlichen Standort eine Kilowattstunde für umgerechnet 8,4 Pfennig erzeugen können, einschließlich der Kosten für eine Gasturbine für die windstillen Tage.

Trotz aller Fortschritte ist Windstrom aber nach wie vor etwas teurer als Strom aus Kohle oder Gas. Wenn man jedoch die Umweltkosten mit in die Rechnung aufnimmt, sind die Windmühlen am wirtschaftlichsten. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls 1995 das Forschungsinstitut der Bezirke und Kommunen in einer umfangreichen Studie. Die Forscher bewerteten dabei das eingesparte Kohlendioxid mit den Kosten, die man an anderer Stelle aufwenden müßte, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dänemark hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2005 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1988 um zwanzig Prozent zu senken.

Der dänische Strommarkt wurde 1996 liberalisiert. Die Windmühlen und die Strom-Warmwasser-Werke behielten jedoch ihren Vorrang vor billigeren Anbietern. Dies ist eigentlich eine Verletzung des Prinzips der freien Konkurrenz im Europäischen Binnenmarkt. Aber Ende November akzeptierte die Brüsseler Kommission die dänischen Gesetze, jedenfalls bis 2006.