Der Bahnhof in Remagen Rolandseck im nördlichen Zipfel von Rheinland-Pfalz steht an einem deutschen Fleck, an dem sich schon viele angekommen fühlten: Maler und Dichter, von der legendären Landschaft, die der mythenreiche Rhein, der "deutsche Tränenweg" (Gregor Laschen), durchbricht, inspiriert oder Alexander von Humboldt, der das Rheintal mit dem Drachenfels in seiner Weltrangliste der schönsten Landschaftsansichten auf Platz sieben führt.

Der Bahnhof ist nicht nur ein Bahnhof. Die kühne Wundergläubigkeit und der parteiübergreifende Charme des gelernten Vagabunden und späteren Impresarios Johannes Wasmuth haben ihn auch in eine Transitstation der Kunsträume verwandelt. Heimatlos herumziehend, entdeckt Wasmuth das zur Ruine verkommene Bahnhofsgebäude Anfang der sechziger Jahre als Unterschlupf. Ein Zuhause für Ratten zunächst. Im Winter saß man vor Propangasflaschen. Schon in den siebziger Jahren aber war der Bahnhof Rolandseck, einst gebaut, damit die Jagdleidenschaft preußischer Könige ein Dach überm Kopf hatte, dank Wasmuth eine Wartehalle der Theater-, Musik- und Kunstavantgarde. Uecker nagelte seine Bilder zusammen, Stockhausen komponierte ein Stück, in dem der Schnellzug Richtung München eingeplant war (er hatte Verspätung).

Der Geiger Pinchas Zukerman wohnt heute noch manchmal im Bahnhof Rolandseck, den der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl, von Wasmuth überzeugt, zum Sitz einer Stiftung Bahnhof Rolandseck machte. Und auch der von Johannes Wasmuth gegründete und beherrschte Verein Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp residiert dort. Wenn Bonner Politiker ausländischen Besuchern etwas ganz Besonderes zeigen wollen, machen sie halt im Bahnhof Rolandseck.

Einer von ihnen, Rudolf Scharping, hat - natürlich von Wasmuth nonchalant animiert - als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident dafür gesorgt, daß sich zu den Ausblicken dort auch eine Zukunftsperspektive gesellt. Hoch oben über dem Bahnhof soll ein Arp-Museum entstehen, entworfen vom amerikanischen Star-Architekten Richard Meier. Die Verträge für das Projekt sind im Dezember 1995 unterzeichnet worden, für das Land von Scharpings Nachfolger und Parteigenossen Kurt Beck. Hundert Millionen Mark werden investiert, von denen dreizehn Millionen Mark, die an das auf dreißig Millionen Mark veranschlagte Museum gebunden sind, aus den Mitteln des Bonn-Berlin-Gesetzes stammen.

Fünfzig Millionen werden als Kapitalbetrag in die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur eingebracht, aus deren Rendite die laufenden Betriebskosten bestritten werden. Der Verein Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp bringt Kunstwerke für sechzig Millionen Mark ein und verpflichtet sich, sie als Betreiber mindestens dreißig Jahre in dem Museum auszustellen.

Das Arp-Museum ist ein Kraftakt für die Kunst. Für den Erben und Freund Arps, Johannes Wasmuth, war es eine Art Zielbahnhof. Er ist nicht mehr angekommen.

Vergangenen September starb er 61jährig an Herzversagen. Derweil steckt seine Herzenssache, das Arp-Museum, nicht nur in Baugenehmigungsverfahren fest, sondern auch in großen Schwierigkeiten.