Schottland ist in Bewegung. Die Abstimmung über ein eigenes Parlament eröffnete den Schotten den lang ersehnten Weg zu mehr Eigenständigkeit, ermöglicht von einem Premierminister schottischer Herkunft, der seit einem halben Jahr in London regiert. Der politischen war eine kulturelle Renaissance vorausgegangen. Schon seit Jahren macht eine innovative Kulturszene in Glasgow und Edinburgh europaweit Furore.

Ein frisches Image hat auch der DuMont-Verlag seinen Kunstreiseführern verpaßt: Inhaltlich reichen sie jetzt bis zur Gegenwart, äußerlich bestechen sie mit durchweg farbigen Bildern. Den Schottland-Führer dieser Reihe hat Peter Sager überarbeitet und um eine fünfzigseitige Einführung erweitert. Sie behandelt Nationalismus, Literatur, Kunst, Photographie und Film auf der Höhe der aktuellen Entwicklungen. Der Band enthält keinen gesonderten Abschnitt zur Architekturgeschichte bedeutsame Bauwerke, von den Burgen des Mittelalters bis zu den Jugendstilbauten Mackintoshs, behandelt der Autor anhand der jeweiligen Routen. Bei seiner erneuten Reise durch Schottland entdeckte Sager manches neu, darunter die Renaissancegärten in der Umgebung Aberdeens.

Sagers Metier ist das Verschrobene und Widerständige, das er vom Großstadtgewühl in Edinburgh und Glasgow bis auf die einsame Hebrideninsel Lewis verfolgt und auf unterhaltsame Weise beschreibt. Dort ist den Bewohnern die Sonntagsruhe noch so heilig, daß sie ihr Geschirr erst am Montag abwaschen. Bis zu den Hebriden ist das "neue" Schottland der Ära Tony Blairs noch nicht vorgedrungen.