Die Straßen nach Kongsvinger haben schon viel Unglück gesehen. Oft ist ein Taxi mit fremdem Kennzeichen im Spiel. Neulich kam eines herangebraust, das hatte 700 Kilometer hinter sich. Auf der Rückbank ein schwedischer Unternehmer, den Ruin vor Augen. Neben ihm ein unscheinbares Kästchen.

Früher hatte es in einem Computer gesteckt und unentwegt lustig geschnurrt. Kundendaten waren darin verwahrt, Lagerverzeichnisse und Rechnungen. Tagein, tagaus hatten die Mitarbeiter sich alte Geschäftsdaten ausgeben lassen und neue gespeichert. Dann fiel es plötzlich aus.

Kein seltener Fall. Überall in der Geschäftswelt werden Daten in riesigen Mengen umgewälzt, und sie sind sterblich wie die Fliegen. Ganze Dateien verschwinden ohne ersichtlichen Grund; manche reißen andere mit sich. Am hinfälligsten sind die magnetischen Datenträger, die Festplatten. Für ein paar hundert Mark bekommt man heute herrliche Geräte, die den Inhalt ganzer Aktenschränke fassen - aber ein Rempler aus Versehen, ein kleiner Kratzer, und alles kann verloren sein.

Dem schwedischen Unternehmer blieb eine letzte Hoffnung: die kleine Firma Ibas im norwegischen Städtchen Kongsvinger, eine Autostunde nordöstlich von Oslo. Siebzig Angestellte in einem lichten Bau mit gläserner Fassade. Davor ein Parkplatz, auf dem die Taxis mit den fremden Kennzeichen die Verzweifelten ausladen.

In der Eingangshalle empfängt sie ein Panoptikum der Schadensfälle. In Vitrinen ruhen versehrte Festplatten aller Klassen, darunter eine, die acht Monate auf dem Meeresgrund gelegen hatte, ehe Taucher sie bergen konnten. "Da waren die Kundendaten einer norwegischen Versicherung drauf", sagt Torstein Engen, Marketingchef von Ibas. Daneben ein halbverkohlter Rechner mit aufgeplatztem Gehäuse, das Plastik geschmolzen. "Brandschaden", sagt Engen. "Die Daten konnten wir in beiden Fällen retten."

So sprechen die letzten Wundertäter des digitalen Zeitalters. Meist wären nicht einmal die Hersteller mehr in der Lage, den luftdicht versiegelten Festplattenkästchen noch Daten zu entringen. Und wer bedenkt, was sich in ihrem Inneren tut, möchte bezweifeln, daß sich dort überhaupt Daten halten können.

Sie sitzen dicht gedrängt auf einem rotierenden Stapel von Magnetplatten, und über ihnen rasen mit bis zu achtzig Stundenkilometern im Tiefflug die Leseköpfe dahin, getragen von nichts als einem hauchdünnen Luftkissen. Der Abstand beträgt etwa den tausendsten Teil eines Menschenhaares. Ein einziges Staubkörnchen, und der Kopf stürzt ab und pflügt sich durch den Datenbestand. Das ist der Headcrash.