ZEITmagazin: Mr. DiCaprio, weinen Sie, wenn Sie Ihre eigenen Filme sehen?

Leonardo DiCaprio: Keine Träne. Ich denke die ganze Zeit nur an eines: Ist meine Darbietung wirklichkeitsnah? Als Schauspieler darf ich immer wieder ein anderer Mensch sein und an anderen Orten in anderen Zeiten leben. Das coolste daran sind die ein oder zwei Momente beim Drehen, in denen ich mit meiner Figur verschmelze. Ich erlebe das mit jeder Zelle meines Körpers. Für diese Sekunden lebe ich.

ZM: Sie sind durch Filme wie "This Boy's Life" und "Jim Carroll - In den Straßen von New York" bekannt geworden, und seit "Romeo und Julia" sind Sie der Schwarm Hollywoods. Wie schaffen Sie es, auf dem Boden zu bleiben?

DiCaprio: Als bekannter Schauspieler ist es schwierig, den Kontakt zur Realität nicht zu verlieren. Ich weiß, daß man sehr leicht ein fieser Typ wird, wenn man dem Erwartungsdruck nicht gewachsen ist. Viele Kolle-gen schaffen sich ein Image als Schutz. Ich habe keine Lösung für dieses Problem.

ZM: Behandeln Ihre alten Freunde Sie nach wie vor wie einen normalen Menschen?

DiCaprio: Ja, wir haben viel Spaß zusammen. Wir lachen über meinen Ruhm. Und machen das Beste daraus. Meine Freunde finden es lustig, wenn wir abends in den Clubs diesen verrückten Menschen begegnen, meinen Fans. Zum Glück gab es da noch nie eine prekäre Situation.

ZM: Die Welt hält Sie für den Inbegriff des Coolen. Freut Sie das?