Gleich an der ersten Hecke geht eine Reiterin koppheister. Ihr loses Pferd galoppiert mit schlagendem Sattelzeug über das Feld. Nach dem ersten Dutzend brusthoher, grabenbesäumter Dornenhecken haben drei oder vier Jokkeis eine unfreiwillige Rutschtour im Gras gemacht. Ein Reiter windet sich nach dem Sprung über die Teerstraße von Nether Broughton nach Hickling schwer angeschlagen auf dem Boden. Eine Lady in Schwarz gleitet wie eine Geistererscheinung im Damensattel über die tückischen Hindernisse. Irgendwo weit voraus heult die Hundemeute ...

Ein Montag im Dezember auf der Fuchsjagd mit der Quorn. Die Fuchsjagd ... eine Warnung vorweg. Der Autor dieser Geschichte nimmt seit Jahren jede sich ihm bietende Gelegenheit zur Teilnahme an dieser verfemten britischen Marotte wahr. Diese Geschichte ist nicht für Leser geeignet, die Natur als moralische Veranstaltung mißverstehen. Die Fuchsjagd ist ein Sport, der sein Dasein der Schädlingsbekämpfung verdankt. Eine aus den Jahrhunderten gewachsene Tradition, die aus einem notwendigen Übel ein Vergnügen macht. Wenn Sie diese Dreistigkeit verabscheuungswürdig finden - lesen Sie nicht weiter!

Die Quorn zieht während der Wintermonate viermal in der Woche aus. Quorn das ist ein Name, der für Eingeweihte einen Klang hat wie Rolls-Royce oder Royal Shakespeare Company. Wenn man gestandenen Pferdeleuten erzählt, man reite mit dieser Meute aus, bekommt man in aller Regel ein langgezogenes "Oouh" zur Antwort. Eine Mischung aus: "Du Glückspilz" und "Du versnobtes Schwein".

Die Britischen Inseln sind in 236 Fuchsjagdbezirke aufgeteilt. 231 Bezirke liegen in der "Provinz". Die fünf Jagden der Grafschaft Leicestershire sind das Mutterland der Zunft. Leicestershire, hundert Meilen nördlich von London, ist das grüne Herz Englands. Die "Shire Hunts" tragen die schönen Namen Belvoir, Cottesmore, Fernie, Pytchley und Quorn. Dem hundert Jahre alten, in weinrotem Leineneinband veröffentlichten "Baily's Hunting Directory" ist zu entnehmen, daß ein Thomas Boothby 1698, also vor ziemlich genau dreihundert Jahren, auf dem Land der Quorn zum ersten Mal den Füchsen zu Pferde nachstellte.

Der heutige Präsident des Jagdverbandes ist ein Squire de Lisle of Quenby. Bis Ende letzten Jahrhunderts war die Jagd das exklusive Privileg eines Squire und seiner geladenen Gäste. 1897 wuchsen die Kosten dem damaligen Sponsor, einem Lord Lonsdale, über den Kopf. Die Quorn übernahm das irische System des capping. Seither dürfen auch Fremde für ein - erkleckliches Entgelt Kopf und Kragen riskieren.

In Lyndsay Matthews Gehöft ist viel Schlamm und von Snobismus keine Spur zu entdecken. In der Küche liegen statt Teppichen Pappdeckel aus. In den Gängen lungern Hunde aller möglichen Macharten herum. Die in Decken eingemummelten Rösser stehen in mit Nägeln und Ballenschnur zusammengehaltenen Ställen. Lyndsay Matthews vermietet hirelings, riesige Jagdpferde mit irischem Pedigree und so albernen Namen wie Skylark, Lerche, und Freddie.