Januar

Der Spiegel wird fünfzig

Der Spiegel ist fünfzig geworden. Ein schönes Alter - wie man so sagt, wenn einer mal wieder ein weiteres Dezennium erreicht hat. Zum Fünfzigsten machte sich das Magazin besonders schön: neu in Schale (Layout) und ganz in Farbe. Bereits zehn Jahre zuvor hatte das deutsche Nachrichtenmagazin seine asketische Anmutung gemildert: mit mehr Farbe, besseren Photos, moderner Infographik. Und nun das Relifting. Der gestrenge Arbeitskreis für Bildsprache, der jährlich Lob und Tadel über Magazine ausspricht, hat denn auch den Spiegel zum "Klassiker des Jahres 97" ernannt ("trotz Neugestaltung den Markenkern nicht aufgegeben"). Den Fünfjährigen aus München (Focus) hat der Arbeitskreis dagegen getadelt: "mit seinem Datenbankjournalismus gealtert".

1998 hat der Spiegel erneut Grund zum Feiern: Augstein wird 75. Sollte sich die ihm nachgesagte Unsterblichkeit als Fehlprognose erweisen - wer folgt ihm nach? Möglich, daß auf Augstein Augstein folgt. Jakob heißt er, arbeitet in Berlin für die Süddeutsche Zeitung und schreibt fleißig Artikel, sogar gute. In Pressedatenbanken ist der Dreißigjährige als Autor öfter vertreten als sein Vater: 244mal in den vergangenen vier Jahren. Das Themenspektrum hat Breitwandformat: alles, was in Berlin aufregend ist, von den Apo-Opas bis zur Russenmafia. Einer seiner Artikel hat den beziehungsreichen Titel: "Das Herz hängt im Norden". Und Vater Augstein, der sich in Gesellschafterversammlungen schon mal vom Junior vertreten läßt, hängt an ihm, auch an ihm.

Denn da ist noch jemand, der den Namen Augstein trägt. Franziska, 33, die Tochter, in London lebend und schreibend. Letzteres tut sie für die Konkurrenz des Bruders, die FAZ. Franziska verfaßt kluge Analysen über Großbritannien, die kritische Linke, Common sense, Moral und Realpolitik.

By the way: Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust ist ein Jahr älter als der Spiegel.