Eine merkwürdig gegenläufige Tendenz: In Domen, Kirchen und Kapellen ist Jesus immer häufiger "allein zu Haus" (Spiegel-Titel) - gleichviel werden dort ständig neue prunkvolle Orgeln errichtet oder historische mit großem Aufwand restauriert. Zwar kann die geschrumpfte Gemeinde den A-Organisten kaum mehr bezahlen - nichtsdestoweniger hat dieser längst den Prediger an Attraktivität überflügelt und mit Abendmusiken sich einen säkularen Ausgleich dafür geschaffen, daß er im gottesdienstlichen Ritual kaum mehr gefordert wird. Nun konnten Sponsoren-Kalkül wie moderne preisgünstige Fertigungstechniken ihm auch noch einen zwar kleinen, aber feinen Markt ermöglichen: CD-Produktionen quasi im Selbstverlag, das Orgelprofil am Infostand unten im Turm. Nicht immer halten die Silberscheiben, was die Cover versprechen. Aber zwei Veröffentlichungen der IFO-Musikproduktion Mainz dürfen sich hören lassen. Auf der einen stellt Gerhard Jentschke (42) sich und die neue Rieger-Orgel in der Hl. Kreuz-Kirche zu Zweibrücken vor (IFO 00 148), ein Instrument mit stark französischem Einfluß (und entsprechend enthält die Platte Werke von Max Reger, Sigfried Karg-Elert, dem spätimpressionistischen Belgier Flor Peeters und dem Doyen der französischen Frühmoderne, Charles-Marie Widor): Farben, viele Zungenstimmen, reichlich dynamische Variationen, bombastisches Pathos. Auf der zweiten (IFO 00 811 Vertrieb: Tel. 06131/ 23 64 78) präsentiert Markus Eichenlaub (27) ein "norddeutsches" Pendant: eine Beckerath-Orgel im südpfälzischen Herxheim.

Sein Programm reicht vom D-dur-Präludium des noch ganz jungen Bach über Pachelbel (f-Ciacona) bis zu Félix Alexandre Guilmant: ein phänomenal talentierter, technisch souveräner, aufmerksam phrasierender, eigenwillig registrierender wie in den Tempi risikofreudiger Künstler.