Eine eiskalte Geschichte servierte die britische Sunday Times diese Woche: US-Wissenschaftler hätten "das Geheimnis des Scheintodes entschlüsselt" und tiefgekühlte Paviane wieder zum Leben erweckt. Dieser "Durchbruch" ermögliche es bald, auch Menschen jahrelang einzufrieren und nach Belieben aufzutauen. Weltraumreisen mit tiefgefrorenen Passagieren rückten in den Bereich des Möglichen.

Die Realität ist freilich nüchterner. Zwar gelang es Medizinern der kalifornischen Firma BioTime Inc., Paviane für einige Stunden abzukühlen - allerdings nicht unter den Gefrierpunkt, sondern nur auf ein bis zehn Grad Celsius. Das können sogar Menschen überstehen. So sind Autofahrer bei Unfällen in Gebirgsbäche gestürzt und in eiskaltem Wasser liegen geblieben.

Wegen der starken Unterkühlung verlangsamen sich alle Lebensvorgänge, Herz und Kreislauf kommen zum Stillstand. Dennoch überlebten sie. Ein solches Einfrieren darf beim Menschen jedoch maximal dreißig Minuten dauern, bei kleineren Labortieren höchstens einige Stunden. Und selbst wenn die Wiederbelebung gelingt, bleiben oft Spätschäden zurück.

Der Firma BioTime geht es allerdings auch gar nicht um das jahrelange Einfrieren von Menschen. Sie vermarktet einen Ersatzstoff für Blutplasma für chirurgische Zwecke. Dieser soll bei starker Abkühlung verhindern, daß sich im Blut lebensgefährliche Eiskristalle bilden. Tatsächlich tauschten die BioTime-Mediziner während des Abkühlens das Blut der Paviane gegen die Ersatzflüssigkeit aus und verhinderten so angeblich Zerstörungen im Gewebe.

Nach demselben Prinzip sollen in Zukunft Operationen an Menschen möglich sein, die nahezu auf den Gefrierpunkt abgekühlt sind. "Kältechirurgen" führen schon heute Hirn- oder Herzoperationen an Patienten durch, deren Temperatur auf etwa dreißig Grad gesenkt wurde. Dank der verlangsamten Stoffwechselprozesse sinkt dabei die Gefahr, daß Organe etwa durch Sauerstoffmangel geschädigt werden. Allerdings beurteilen Experten die Chancen eher skeptisch, mit Blutplasma-Flüssigkeit künftig Operationen bei wenigen Grad zu ermöglichen. Und noch kann BioTime keine klinischen Tests vorweisen, die zeigen, daß die Methode auch beim Menschen anwendbar ist.

Gänzlich enttäuscht werden müssen indes Science-fiction-Fans, die auf ein Überleben in flüssigem Stickstoff hoffen. Der Scheintod bei minus 196 Grad, dem der "Kryonist" nach Dekaden entsteigt, unbehelligt von Bakterien und Nachwirkungen - diese Utopie wird auch durch die Kühlversuche mit den armen Pavianen nicht wahrscheinlicher.