Längst ist der Benzinpreis ein politischer Preis. Von den knapp 1,65 Mark, die hierzulande ein Liter unverbleit kostet, kassiert der Staat in Form von Mineralöl- und Mehrwertsteuer bereits rund 75 Prozent. Mit einem Aufkommen von 66 Milliarden Mark ist die Mineralölsteuer nach der Lohn- und der Mehrwertsteuer die ergiebigste Einnahmequelle des Finanzministers.

Dennoch wollen die Forderungen nach höheren Benzinsteuern nicht verstummen.

Der Grund: Personenwagen und Brummis tragen durch den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) in wachsendem Maße zum Treibhauseffekt bei. Der von der Fachzeitschrift auto, motor und sport als "erklärter Autogegner" identifizierte Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, rechnet mit einer Zunahme der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs um zehn Prozent bis zum Jahr 2010. Wer als Marktwirtschaftler daran glaubt, daß Nachfrage und Preis etwas miteinander zu tun haben, kommt deshalb schnell auf den Gedanken, mittels höherer Spritpreise den wachsenden Benzindurst zu zügeln - damit aber auch an einem sozialen Tabu zu rütteln: Denn was früher der Brotpreis war, ist heute der Spritpreis.

Also mußten die Wellen hochschlagen, als vor wenigen Tagen selbst ein Spitzenmanager eines Mineralölkonzerns in der Woche laut über einen höheren Benzinpreis nachdachte: "Fünf Mark für den Liter Benzin kann okay sein", sagte Rainer Laufs, der Chef der Deutschen Shell. Ungewöhnlich genug: Während Greenpeace applaudierte, strafte Dionys Jobst (CSU), Vorsitzender des Bonner Verkehrsausschusses, den "Herrn von der Shell" mit der Bemerkung ab, er könne "nicht ernst genommen werden". Prompt machte Laufs einen Rückzieher, nachdem auch der Mineralölwirtschaftsverband eine deutliche Preiserhöhung als "nicht sehr sozial" gegeißelt hatte: Er habe lediglich auf eine "hypothetische Frage" geantwortet.

Dabei war Laufs keineswegs der erste Ölmanager, der mit sich über höhere Benzinpreise reden ließ. Bereits vor dem Klimagipfel in Kioto äußerte sich der oberste Lenker von BP, John Browne, ähnlich in der ZEIT. Tatsächlich sind es längst nicht mehr nur grüne Weltverbesserer, die für einen schrittweisen Anstieg der Benzinpreise streiten: Der Münchener Unternehmensberater Roland Berger erhofft sich davon einen Modernisierungsschub schließlich machen nur höhere Benzinpreise die Entwicklung und den Erwerb sparsamer Fahrzeuge wirklich attraktiv. Deshalb plädierte auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen dafür. Und selbst Wolfgang Schäuble, Fraktionsvorsitzender der Bonner Unionsfraktion, kassierte Beifall, als er im vergangenen Herbst vor dem Umweltarbeitskreis der CSU sagte: "Wir werden den Straßenverkehr teurer machen müssen."

Die Einwände dagegen halten einer Überprüfung kaum stand. Erstens: Unter Berücksichtigung der Inflationsrate ist der Benzinpreis hierzulande heute nicht höher als Anfang der siebziger Jahre. Wer Benzin kauft, muß dafür heute sogar weniger arbeiten. Soziale Härten durch schrittweise steigende Preise halten sich also in Grenzen. Zweitens: Nur in Luxemburg ist Benzin billiger als in Deutschland - in allen anderen EU-Nachbarländern kostet Sprit mehr als hierzulande. Und drittens: Nach einer Studie des ifo-Instituts belastet ein schrittweise steigender Benzinpreis weder das Wirtschaftswachstum noch den Arbeitsmarkt nennenswert. Wie der Straßenverkehr ökologisch gebändigt werden kann, machen die Briten längst vor: Seit 1993 steigt dort die Benzinsteuer jährlich um real fünf Prozent.