Neben all den deprimierenden, erschütternden, aufwirbelnden Nachrichten endlich eine, die aufatmen läßt: 267 bedrohte Baudenkmale im Jahre 1997 vor dem Verfall bewahrt! Und: Schloß Bothmer gerettet, die, wie es heißt, "bedeutendste barocke Anlage Mecklenburgs". Die Kulturstiftung der Deutschen Bank, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Land haben dazu beigetragen, daß darin nun wenigstens der Dachstuhl gesichert, der Schwamm erfolgreich bekämpft, die wunderbaren Stuckdecken saniert werden konnten.

Kürzlich machte auch das ZDF mit der Broschüre "Bürger, rettet Eure Städte" publik, daß seine seit fünf Jahren gepflegte "aspekte"-Sendung dieses Titels große Resonanz gefunden habe. Sie zeigt, daß die Unternehmung geglückt ist: Zuschauern "das Auge zu schärfen für die Vielfalt des historischen Erbes", ihnen manchmal überhaupt erst die Augen für derlei Alltagssachen zu öffnen.

Man sollte auch erwähnen, daß das Deutschlandradio seit Jahren eine unter anderem in Kalifornien erprobte Praxis pflegt, nämlich die Aufmerksamkeit für bedrohte Baudenkmale durch Benefizkonzerte zu wecken, die darin veranstaltet werden. Zum Schluß noch drei ins Metier gehörende Nachrichten. Zum ersten Mal ist eine Frau zur Chefin einer ewigen Denkmalsbaustelle ernannt worden: zur Kölner Dombaumeisterin. Es ist die gelernte Maurerin und Kunstgeschichtsprofessorin Barbara Schock-Werner. Sie ist Nachfolgerin Arnold Wolffs, der dieses Amt fünfundzwanzig Jahre lang leidenschaftlich ausgeübt hat. Großer Tusch! Zweitens: In Neubrandenburg ist der erste Plattenbau der DDR, ein Wohnblock von 1973, unter Denkmalschutz gestellt worden, das erste Exemplar aus der "Wohnbauserie (WBS) 70". Nichts wird ihn verschönernd beschönigen, er bleibt, wie er ist: der häßliche Prototyp, mit dem man unter Verzicht auf jeglichen architektonischen Ehrgeiz nichts als die Massenproduktion im Sinn hatte. Der Verrat an der Architektur war auch der Verrat am sozialistischen Menschen. Schließlich: Nun steht auch der "Lange Eugen" in Bonn unter Schutz - der Eiermann-Bau von 1969 als ewiger Duopartner des Schürmann-Baus gleich nebenan, der, sobald die Deutsche Welle ihn bezieht, als schönstes Gebäude des Regierungsviertels melancholische Erinnerungen wecken wird. Übrigens, der Dresdner Oberbürgermeister Wagner will das Denkmalschutzamt seiner Stadt schließen. Das kostet bloß, es war schon zu DDR-Zeiten nur lästig. Kritische Köpfe (wie in der Zwinger-Bauhütte) werden einfach versetzt. Aber Dresden läßt sich ja die Frauenkirche neu basteln. Sie ist zwar kein Baudenkmal mehr, sieht aber so aus.