Der Weg in die Falle

1848 - Kroatiens Ban (Statthalter) Josip Jelacic hilft Habsburg bei der Niederschlagung des Aufstands der Ungarn - in der Hoffnung, daß die Kroaten mehr Autonomie erhalten würden.

1867 - Die Hoffnung zerschlägt sich: Im "Ausgleich" zwischen Österreich und Ungarn bekommt Budapest mehr Macht über Kroatien, und die Ungarn lassen nationalen Bestrebungen noch weniger Raum als die Österreicher. Zum Trost für die düpierten Kroaten löst Wien die alte "Militärgrenze", die "Krajina", auf, und das Gebiet, wo viele Serben leben, wird nach Kroatien integriert.

1918/19 - Österreich-Ungarn wird aufgelöst, Kroatien schließt sich ohne lange Debatte dem neuen Staat Jugoslawien an.

20er Jahre - Es wird klar, daß Belgrad Jugoslawien nur als Gebietsgewinn für das alte Serbien betrachtet. In Kroatien macht sich Frustration breit.

1928 - Stjepan Radic, Vorsitzender der Kroatischen Bauernpartei, wird im Belgrader Parlament von einem Montenegriner erschossen.

1929 - Der jugoslawische König Alexander ruft die Königsdiktatur aus: Von sofort an kennt er keine Kroaten oder Serben mehr, sondern bloß noch Jugoslawen. Das Land wird in ethnisch neutrale Verwaltungsbezirke aufgeteilt.

1939 - Unter der Bedrohung Nazideutschlands wird die Aufteilung Jugoslawiens revidiert. Im Sporazum, einem Abkommen mit Belgrad, wird die Banschaft Kroatien gebildet, welche die meisten Siedlungsgebiete der Kroaten umfaßt.

Der Weg in die Falle

1941 - Hitler überfällt Jugoslawien. Serbien wird besetzt, Kroatien bekommt Bosnien zugeschlagen und wird "unabhängiger Staat" unter der Patronage der Nazis. Die Macht wird den Ustase übertragen, einer kleinen faschistischen Bewegung.

1941-45 - Der "Unabhängige Staat Kroatien" ermordet Juden, zwingt Serben zum Tragen eines "S" am Rockaufschlag, rottet ganze Dörfer aus und richtet in Jasenovac ein Vernichtungslager ein.

1945 - Jugoslawien entsteht unter der zentralistischen Führung des Kroaten Tito neu als föderalistischer Staat.

1948 - Tito bricht mit Stalin und rechnet mit tatsächlichen und vermeintlichen "Stalinisten" ab. Der kroatische Parteiführer Andrija Hebrang fällt der Säuberung zum Opfer.

1965 - Tito schafft die Planwirtschaft ab und führt die sozialistische Marktwirtschaft ein. Touristen und ausländisches Kapital strömen ins Land.

1967-71 - "Kroatischer Frühling": Die kroatische Parteiführung unter Savka Dabcevic-Kucar und Miko Tripalo fordert nach tschechischem Vorbild mehr Demokratie und wirtschaftliche Reformen. Sie wird unterstützt von Massendemonstrationen und daraufhin von Tito gestürzt. Es folgt das lange "kroatische Schweigen".

1980 - Titos Tod.

Der Weg in die Falle

1989 - Slobodan Milosevic schürt auf sogenannten Meetings in ganz Jugoslawien den Nationalismus der Serben. Cetniks, Nachfolger königstreuer Partisanen, fordern ein Großserbien.

1990 - Bei den ersten freien Mehrparteienwahlen siegt überraschend die radikale Kroatische Demokratische Gemeinschaft unter Franjo Tudjman. Bald kommt es zu Zusammenstößen zwischen der neuen Staatsmacht und kroatischen Serben.

1991 - Kroatien erklärt sich für unabhängig. Die Anführer in den Mehrheitsgebieten der kroatischen Serben erkennen den Beschluß nicht an. Die serbisch dominierte Jugoslawische Volksarmee greift an, um Teile aus Kroatien herauszubrechen. Die Gebiete unter Armee-Kontrolle erklären sich zur "Republik Serbische Krajina".

1992 - Waffenstillstand. In der Krajina werden Blauhelme stationiert, in Bosnien bricht im April der Krieg aus, in dem Kroaten und Muslime zunächst gemeinsam gegen die Serben kämpfen. Schon im Herbst beginnt Zagreb, die Front zu wechseln, und räumt das Sawetal zugunsten der Serben.

1993 - Kroatisch-muslimischer Krieg in Bosnien.

1994 - Waffenstillstand zwischen Muslimen und Kroaten auf Druck der USA. Im Dezember schließt Kroatien ein Militärbündnis mit den USA und wird strategisch aufgerüstet.

1995 - Kroatien erobert die meisten serbisch gehaltenen Gebiete. Fast alle serbischen Bewohner fliehen vor der kroatischen Armee. Als die Nato im September die bosnischen Serben angreift, erobern reguläre kroatische Truppen auch westbosnische Gebiete. Im November wird für Bosnien das Daytoner Abkommen geschlossen. Nebenher wird vereinbart, den Rest der serbischen Gebiete im Nordosten friedlich nach Kroatien zu integrieren.

Der Weg in die Falle

1996/97 - Die Integration Ostslawoniens funktioniert nach Plan, aber Kroatien verhindert die Rückkehr bereits geflohener Serben.