Das Ereignis war gut vorbereitet: Seit Präsident Boris Jelzin im August vergangenen Jahres ankündigte, daß zum 1. Januar 1998 drei Nullen vom Rubel gestrichen würden, hatten führende Zentralbankvertreter bei jeder Gelegenheit den beunruhigten Russen erklärt, daß ihre Ersparnisse sicher seien. Zur teuersten Werbezeit schalteten die Notenbanker Fernsehspots, die Zweifel an der Stabilität des Rubels zerstreuen sollten. Und ein stoppelbärtiger Gemüsehändler versicherte zudem in einem Comic, daß er das alte Geld auch bis Ende 1998 noch annehmen werde.

So viel Rücksichtnahme waren die Russen bislang nicht gewohnt. Bereits dreimal in diesem Jahrhundert haben die Regierenden ihre Ersparnisse zumindest teilweise vernichtet: Ältere Sowjetbürger erinnern sich noch daran, wie Stalin nach dem gewonnenen Krieg 1947 mit einer Währungsreform die Rubel der Bevölkerung fast vollständig entwertete. Noch präsenter ist der Überraschungscoup des sowjetischen Finanzministers und späteren Ministerpräsidenten Walentin Pawlow, der im Januar 1991 kurzerhand alle Fünfzig- und Hundertrubelnoten für ungültig erklärte. Am 24. Juli 1993 schließlich, einem Samstag, vermieste die Zentralbankspitze ihren Mitbürgern das Datscha-Wochenende, als sie verkündete, daß ab kommendem Montag alle vor 1992 gedruckten Rubelnoten wertlos seien und nur eine kleine Summe gegen neue Banknoten umgetauscht werden könne. Inflationsängste sind deshalb bei den Russen ähnlich präsent wie bei den Deutschen nach zwei Nachkriegsgeldentwertungen.

Das wollen die Währungshüter ändern: "Unsere Mitbürger sollen an die Zentralbank glauben wie die Deutschen an die Bundesbank", sagt der stellvertretende Notenbank-Chef Alexander Chandrujew. Daß das nicht nur leere Worthülsen sind, bestätigen auch ausländische Experten. Die russische Zentralbank gilt als die reformpolitische Erfolgsgeschichte der vergangenen drei Jahre: "Wenn Rußland in allen Bereichen so weit vorangeschritten wäre wie bei der Geld- und Währungsordnung, dann hätte das Land einige Probleme weniger", sagt Alasdair Breach vom Russisch-Europäischen Zentrum für Wirtschaftspolitik (Recep).

Die geldpolitische Bilanz der vergangenen drei Jahre kann sich auch im osteuropäischen Vergleich sehen lassen: Seit Januar 1995 ist die monatliche Inflationsrate von fast achtzehn Prozent auf inzwischen unter ein Prozent gefallen. Die Jahresinflation war 1997 mit knapp zwölf Prozent für russische Verhältnisse so niedrig wie seit Zeiten der Sowjetunion nicht mehr, als Bürokraten die Preise festsetzten. Auch gegenüber dem Dollar ist der Rubel stabil: Seit Sommer 1995 hat er nicht den Korridor verlassen, den die Zentralbank im voraus als maximale Schwankungsbreite angekündigt hatte.

Noch vor drei Jahren schien ein solcher Erfolg ausgeschlossen. Damals, am 11.

Oktober 1994, hatte der Rubel gegenüber dem Dollar innerhalb von nur einer Stunde fast dreißig Prozent an Wert verloren. In Panik stellten sich viele Russen an diesem "schwarzen Dienstag" in die langen Schlangen vor den Wechselstuben und verkauften ihre Rubel - um den Wert der heimischen Währung zwei Tage später wieder über das Vorkrisenniveau zurück steigen zu sehen.

Abkassiert hatten vor allem Moskauer Geschäftsbanken, die die billigen Rubel der verängstigten Bevölkerung aufgekauft hatten.