DIE ZEIT: Sie wollen eine "Standort Deutschland Investment GmbH" ins Leben rufen, die ausländische Investoren in die Bundesrepublik lockt. Was kann eine Vermarktungsagentur ausrichten, wenn alle Zeichen auf politische Lähmung stehen?

SIEGMAR MOSDORF: Ausländische Industriedelegationen haben bei uns oft den Eindruck, Westdeutschland wolle überhaupt keine Auslandsinvestitionen. Wir kommen aber in ein neues Stadium der Globalisierung. In zehn Jahren ist der Kapitalstock an ausländischen Direktinvestitionen von weltweit einer Billion auf 3,5 Billionen Dollar gestiegen. Jährlich gibt es heute 350 Milliarden Dollar ausländischer Direktinvestitionen. Es ist richtig, daß Mercedes in Alabama eine Fabrik baut und Siemens in China. Aber umgekehrt wollen asiatische und amerikanische Unternehmen den kaufkräftigsten Binnenmarkt der Welt, Europa, auch durch direkte Präsenz bedienen. Nachbarn wie die Niederlande haben längst solche Agenturen.

ZEIT: Soll die GmbH nur vermarkten, oder hätte sie auch handfeste Vorteile zu bieten?

MOSDORF: Wenn ein Nordamerikaner hier investieren will, weiß er oft gar nicht, mit welcher Behörde er zuerst reden muß. Die neue Agentur würde sich als zentrale Anlaufstelle systematisch kümmern und die rechtlichen Wege weisen. Eigentlich ist das Aufgabe des Wirtschaftsministeriums. Aber weil dort ein Vakuum herrscht, werben vor allem Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Bayern selbst um die Investoren. Trotzdem wollen die ausländischen Investoren eine Zentralstelle, die die verschiedenen Ansätze koordiniert.

ZEIT: Ein ähnlicher Industrial Investment Council arbeitet schon in Ostdeutschland.

MOSDORF: Das ist ein erster wichtiger Schritt. Der Council spricht von 25 größeren Ansiedlungsprojekten. Einige sind schon realisiert. Man muß diesem Projekt aber eine Anlauffrist gewähren.

ZEIT: Ihre neue Agentur soll mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag kooperieren. Will der das?