Habe nun, ach, alles studiert, was um die Jahreswendezeit gepredigt, gefestredet und geleitartikelt worden ist, und mag es nicht mehr hören. Alle sind sich einig, vom Hauptkanzler bis zum Nebenkanzler (Schäuble), von Frau Christiansen bis Frau Höhler, von BDI-Henkel bis Beck-Mainz, daß alles stillsteht, nur sie nicht, und daß das irgendwie nicht so weitergehen kann mit dem Stillstand bei den anderen.

Ganz beruhigt könnte man sich zurücklehnen bei so viel Harmonie, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Wenn man bloß nicht im gleichen Moment den Eindruck gewönne, daß es auch so etwas wie einen Stillstand der öffentlichen Meinung gibt, die sich gleichlautend zur allgemeinen Reglosigkeit äußert. Ist die Klage vielleicht schon Teil des Problems? Und was würde aus dem stillsten Stillstand, den wir je hatten, wenn es das Lamento über ihn nicht gäbe?

Gerhard Schröder hat "nicht ausgeschlossen", was er auch gar nicht ausschließen kann - daß es nämlich im Jahr 1998, nach den Wahlen am 27.

September, zu einer großen Koalition und, wenn die Umfragen schlecht ausfallen, sogar zu einem "fliegenden Kandidatenwechsel" von Kohl zu Schäuble kommen könnte. Aber wie sind sie da alle über ihn hergefallen, die CDU- und die SPD-Gegner, die Grünen und natürlich hat einer der hellen Köpfe der FDP auch noch empört dazwischengerufen: "Ohne uns!"

Kommt nicht in Frage, grollen die Generäle in den Parteihauptquartieren aus dem Adenauer-Haus klingt es noch ein bißchen ungnädiger und lauter als aus dem Ollenhauer-Haus. In manchen Medienbetrieben - Springer zum Beispiel, so wird gemunkelt - macht man sich unbeliebt, wenn man mit einer großen Koalition liebäugelt. Denn die paßt nicht zum Konzept eines Lagerwahlkampfes, an den wiederum die CDU zu denken scheint. Wie will man die Gegner niederkartätschen, wenn man mit ihnen demnächst gemeinsame Sache macht?

Also muß Schröder in die Schranken gewiesen werden. Große Koalition? Nie! Und so kommt es, daß das neue Jahr schon wieder recht vollmundig und mit einer der kleinen Unwahrhaftigkeiten beginnt.