Solche Männer braucht das Land! Auslandsstudium, Wirtschaftswissenschaften, durchgezogen in drei Jahren. Sechs Sprachen fließend, drei weitere leidlich. Führungserfahrung in einem mittelständischen Betrieb. Läßt sich auch nicht hängen, wenn es mit der Karriere mal nicht nach Wunsch läuft, sondern geht ins Ausland und schreibt dort gleich ein Buch, natürlich in der Landessprache, das wenige Monate nach Erscheinen schon vor der dritten Auflage steht und, obwohl nicht unkritisch, sogar von einem Regierungsvertreter gelobt wird.

Einem solchen Mann, so könnte man meinen, müßten doch in Deutschland alle Türen offenstehen. Aber wenn sich ein Headhunter für Thomas Mazimpaka interessiert, dann schwingt er einen Baseballschläger. Denn Mazimpaka lebt als Asylbewerber in einem Heim bei Dresden.

Sein Buch "Ein Tutsi in Deutschland", erschienen im Oktober in der Evangelischen Verlagsanstalt, erzählt von Mazimpakas Flucht vor dem Terror der Hutu in Ruanda und seinen Erlebnissen mit den Deutschen. Es stimme "zornig und verzweifelt", schreibt Heiner Sandig, Ausländerbeauftragter der sächsischen Landesregierung, im Vorwort. Für die Zukunft wünsche er dem Autor ein "Leben in Freiheit und Würde".

Der Zaun um die ehemalige NVA-Kaserne im Dresdener Vorort Langenbrück ist mit Stacheldraht gesichert, man weiß nicht, ob zum Schutz der Bewohner oder ihrer Nachbarn. Einige Scheiben des Gebäudes sind zerbrochen, andere vergittert.

Beim Eintreten schlägt dem Besucher eine süßliche Mischung aus Essensgerüchen und anderen Ausdünstungen entgegen. Die gefliesten Fußböden der Flure sind verdreckt. Vor vielen Türen liegen Kinderschuhe, aber keine Stimme ist zu hören.

Auf einmal erhellt ein Lächeln den Flur ein großgewachsener Schwarzer steht da und sieht in Busineßhemd, Strickjacke und gebügelter Cordhose aus, als habe er sich verlaufen und werde gleich nach dem Ausgang fragen. Für seine 39 Jahre wirkt Thomas Mazimpaka überraschend jung. Ein fester Händedruck, Blickkontakt, ein zweites Lächeln. "Ich erkämpfe mir Sympathie", wird er später sagen.

Erst mal schaltet er die Fernsehnachrichten von CNN aus und macht Kaffee.