Vor der Erfindung des Buchdrucks waren es diese Stätten, in denen Schreiber und Buchmaler die Kultur trugen. Philosophie, Wissenschaften und Literatur waren in den Händen der Mönche, Klöster waren die Orte der Geistes, bewahrend und schöpferisch. Kann es einen passenderen Ort für ein Literaturarchiv geben?

Durch die Porte de Bayeux betritt der Besucher den Klosterhof, rechts das Corps de logis wird der Administration dienen. Der linke Flügel beherbergt schon heute Seminargäste. Denn von diesem Jahr an veranstaltet das IMEC hier wissenschaftliche Kolloquien, zuletzt zusammen mit dem Centre Georges Pompidou, das in Paris zur Zeit restauriert wird, und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach eine französisch-deutsche Tagung über "Archiv und literarische Produktion".

Die Pferdeställe sollen zu einer Buchhandlung und einem literarischen Café umgestaltet werden. Die jetzt noch zugige Zehntscheune soll Ausstellungs- und Tagungsräume enthalten. In das Torhaus Saint-Norbert, einen schönen Bau aus dem 18. Jahrhundert, sollen Seminarräume kommen. In einem weiteren Nebengebäude sind schon jetzt Tagungs- und Übernachtungsräume die Abtei war bisher als amerikanische Sommeruniversität genutzt worden. Im nächsten Jahr soll der Bau beginnen - mit Baukosten von zunächst 85 Millionen Franc.

In Sturmwind und Regen darf der Besucher die mit einem Bretterverschlag geschlossene gotische Abteikirche betreten, eine fensterlose graue Trümmerstätte, ein ausgebeutetes Skelett, aber mit guterhaltener Substanz.

Das soll die Bibliothek werden. Und auf der Empore stehend unter dem regennassen Himmel der Normandie, fühlen wir den Kuß der Büchermusen. Denn aus den Trümmern der Ruine erscheint vor unseren Augen die Kathedrale des Lesens, in der geschwiegen und studiert werden wird, was versunken, aber in Buchstaben lebendig ist. Es ist nie zu spät - und es gibt keine Seligkeit ohne Bücher.