Am Himmel über den meisten Erdteilen ist der Lufthansa-Kranich eine gewohnte Erscheinung, doch jetzt will sich der stolze Vogel auch zum Helden der Straße aufschwingen. Daß einen auf der Autobahn plötzlich nicht ein VW oder Mercedes, sondern ein Auto Marke Lufthansa überholt, durfte man bisher getrost als wirre Phantasie abtun. Doch neuerdings buhlt die deutsche Airline auch für Flughöhe null um Kundschaft - gemeinsam mit einem Autohersteller.

Endlich erhalten nun die vielen Zeitgenossen mit notorischer Flugangst eine Chance, sich im eigenen Gefährt Lufthansa-Komfort zu gönnen, ohne den Erdboden verlassen zu müssen.

In Spuckweite ihrer Kölner Zentrale fanden die Flieger einen erdverbundenen Partner - die Ford-Werke. Die haben mit dem Ka einen rundlichen Kleinwagen im Angebot, der in letzter Zeit zur Knutschkugel der modernen Hausfrau avanciert ist. Solche potentiellen Passagiere muß man langsam an das Produkt der Flugreise heranführen, fanden die Kranich-Strategen, am besten mit Trockenübungen am Boden. Flugs schufen sie gemeinsam mit den Autobauern "die kleinste Business Class der Welt" (Werbung) - den Kleinwagen als Sondermodell mit zwei Sitzen und einer Rückbank im Lufthansa-Design.

Eine schöne Vorstellung: Wenn die Fahrerin mal wieder im Feierabendstau steckt, gleiten ihre Finger grazil an den markant-gelben Nähten entlang, streichen sanft über das weiche graue Leder, während sich ihr Hinterkopf wohlig an das eingeprägte Kranich-Logo schmiegt. Beim Blick nach draußen sieht sie plötzlich nicht mehr den Nieselregen auf der Scheibe und endlose Wagenkolonnen vor sich, sondern blickt auf flauschige Wolken im hellen Sonnenschein, über denen sich ein makellos blauer Himmel wölbt. Eine lächelnde Stewardeß serviert prickelnden Champagner, die Freiheit ist hier oben einfach grenzenlos.

Erst ein Hupkonzert bringt die Straßenpilotin unsanft in die harte Realität auf der Erde zurück, da helfen auch die den Autokäufern großzügig gewährten 10 000 Bonusmeilen des Vielfliegerprogramms nicht. Dafür gibt es nämlich gerade mal einen halben Inlandstrip. Der wahre Kranich-Fan bleibt mit seinem metallicfarbenen Vehikel sowieso auf der Straße, auch in kritischen Situationen. Elche und andere Hindernisse des Landverkehrs können ihm rein gar nichts anhaben. Wer aus der Fliegerei kommt, ist mit Windscherungen und Luftturbulenzen wahrlich Schlimmeres gewohnt.

Die Möglichkeiten solch gegenseitiger Produktbefruchtung, in der Fachsprache "Co-Branding" genannt, scheinen in der Reisebranche endlos. Brauchten nicht die als behäbig geltenden Reisebusse längst mal einen Imageschub? Und wie ist es mit der Deutschen Bahn, die immer Kritik einstecken muß, weil ihr Paradepferd ICE an vielen bedeutenden Städten einfach vorbeibraust? Der Vorschlag an beide Seiten liegt nahe: Ein Reisebus im ICE-Design, mit flacher Schnauze, Bordtreff und Musikprogramm an jedem Platz. Freundliche Schaffner sorgen für das richtige Feeling, wenn das Supergefährt über die Dörfer braust. Nicht zu vergessen das Bonbon für alle Vielfahrer: Der Gutschein für eine halbe BahnCard.