Jerusalem

Wer in Israel lebt, lebt mit Krisen. Politische Skandale, hitzige Knessetdebatten und erbitterter Koalitionsstreit gehören zum Alltag - nicht erst, seitdem Benjamin Netanjahu das Ruder in der Hand hält.

Die jüngste aller Krisen, ausgelöst durch den Rücktritt von Außenminister David Levy, läßt der Regierung nur eine hauchdünne Mehrheit in der Knesset.

Das könnte, früher oder später, zum Sturz des Ministerpräsidenten führen.

Sicher ist das allerdings nicht. Nur neunzehn Monate nach den - wegen der Ermordung Jitzhak Rabins - vorgezogenen Wahlen wird nun schon wieder über einen verfrühten Urnengang spekuliert. Israel kommt nicht zur Ruhe.

Auf den ersten Blick entsteht dabei der Eindruck, daß die permanente politische Krise den Zustand einer tief gespaltenen Gesellschaft reflektiert.

Tatsächlich streiten sich ohne Unterlaß die Säkularen mit den Religiösen, aschkenasische Juden mit sephardischen Juden, russische Einwanderer mit äthiopischen Einwanderern, die Armen mit den Reichen. Ist dieses Land denn überhaupt regierbar, fragt man sich angesichts der vielgliedrigen Parteienlandschaft. Und: Wie wirken solche Dauerkrisen auf die Gesellschaft?