Die Idee stammt aus Schilda, umgesetzt wird sie in Köln und womöglich auch noch in weiteren Städten. Die Kommunen erwägen, der Telekom für den Standplatz von Telephonzellen demnächst Gebühren abzunehmen. Die droht im Gegenzug damit, die öffentlichen Fernsprecher einfach abzubauen. Das liegt ganz im Trend. Denn auch die Post schließt immer mehr Ämter. So werden die Städte richtig attraktiv: für Internet-Freaks und Handy-Besitzer.

Überhaupt scheint Abkassieren mittlerweile Trumpf zu sein auf dem liberalisierten Markt der Telekommunikation. So muß sich auch der Fernmelderiese selbst den Vorwurf gefallen lassen, richtig zuzulangen, wenn seine Kunden zu einem der vielen neuen Anbieter wechseln wollen. Erst Anfang des Jahres wurden seine Pläne bekannt, dafür stattliche Gebühren zu verlangen. Der höchst unpopuläre Eindruck: Jeder, der vom Wettbewerb profitieren will, muß sich zunächst aus dem Monopol freikaufen.

Ganz so einfach liegen die Dinge zwar nicht. Gleichwohl trübt das Verhalten der Telekom die Hoffnungen vieler Kunden, künftig preisgünstiger telephonieren zu können. Zudem stiften Begriffe wie call by call oder preselection sowie ein undurchschaubarer Tarifdschungel, der Vergleiche so gut wie unmöglich macht, derzeit große Verwirrung (siehe ZEIT Nr. 1/1997).

Wer glaubt, endlich begriffen zu haben, wie der Wettbewerb funktioniert und wie man ihn nutzen kann, dem stellen sich schon bald wieder neue Fragen. Und so, wie es derzeit aussieht, wird es künftig noch sehr viel mehr Ärger geben.

Gemessen an den hohen Erwartungen, wurde der Start in den Wettbewerb beim Telephonieren jedenfalls verpatzt. Die Telekom und ihre Rivalen schieben sich dafür jetzt gegenseitig die Schuld zu. Der Grund für das wachsende Chaos auf dem jungen Markt: Das Telekommunikationsgesetz läßt viel Spielraum zur Gestaltung der sehr komplexen Beziehung zwischen dem Altmonopolisten und seinen Rivalen, die zugleich auch immer Kunden bei ihm sind. Denn alle neuen Telephongesellschaften sind darauf angewiesen, das engmaschige Leitungsnetz der Telekom zu nutzen.

Spannungen waren deshalb von Anfang an programmiert - eigentlich kein Grund zur Sorge. Doch wie es derzeit aussieht, wird so lange verhandelt, gezögert und gepokert, bis es für kundenfreundliche Lösungen zu spät ist. Die Kontrahenten tragen derzeit ihren Streit zu Lasten der Kunden aus.

Der jüngste Clinch um die Ablösegebühren liefert ein Beispiel dafür. Allen beteiligten Unternehmen war schon immer klar, daß dem Exmonopolisten ein finanzieller Ausgleich zusteht, wenn seine Kunden zu einem Konkurrenten wechseln. Schließlich muß die Telekom mit beträchtlichem finanziellem Aufwand ihre vielen tausend Vermittlungsstellen überall im Lande technisch so umrüsten, daß die Gespräche reibungslos umgeleitet werden können.