Einen Vorgeschmack auf die Chancen, die ihnen ein liberalisierter europäischer Markt künftig eröffnet, bekommen die Verbraucher bereits seit fast sechs Jahren. Seitdem bietet die Deutsche BA, eine Tochter von British Airways, dem Monopolisten Lufthansa auf innerdeutschen Strecken die Stirn.

Nun tritt sie mit dem Kampfpreis von 149 Mark für die einfache Strecke Frankfurt-München an und bedient diese seither mit acht Flügen täglich. Zudem ließ die Airline wissen, daß sie auf dem deutschen Markt weiterhin zügig expandieren will.

Erstmals fliegt in diesem Winter die Chartergesellschaft Britannia, eine Tochter des englischen Reisekonzerns Thomson Travel, FTI-Kunden direkt von deutschen Flughäfen zu den Ferienanlagen in der Dominikanischen Republik - bis zu einem Drittel billiger als die Konkurrenz, wie Firmenchef Dietmar Gunz behauptet. Kuba und Jamaika sollen die nächsten mit Britannia angesteuerten Ziele sein.

Ungewiß ist noch, ob das deutsche Publikum den engeren Sitzabstand in den britischen Charterflugzeugen klaglos hinnimmt oder reumütig zu deutschen Bedarfsfliegern zurückkehrt. Die Zukunft wird auch zeigen, ob die unterschiedlichen Reisegewohnheiten von Briten und Deutschen wirklich so gravierend sind, wie bisher behauptet. Denn die englischen Reisemultis Thomson und Airtours lassen keinen Zweifel daran, daß sie zum Sprung auf den deutschen Markt ansetzen.

Längst sind ja auch bundesrepublikanische Unternehmen in den Nachbarstaaten und in den Ländern Osteuropas präsent und aktiv. Jüngst fusionierte TUI mit zwei Schweizer Veranstaltern. Die spanische Hotelkette RIU befindet sich zur Hälfte im Besitz der Hannoveraner, Iberostar gehört zu vierzig Prozent der NUR.

Als die beiden Reiseriesen im vergangenen Jahr darangingen, ein Oligopol von beträchtlichem Umfang anzusteuern, rief ihr Eifer postwendend das Kartellamt auf den Plan. Das gelbe Lager, die Vereinigung von NUR und dem Charterflieger Condor zur C & N Touristik AG, hat sich inzwischen mit dem Segen der Berliner Wettbewerbshüter formiert. Jedoch steht das Placet für das rote Lager, benannt nach den Hausfarben der TUI, die sich unter dem Dach der Preussag mit Hapag Lloyd und LTU vereinigen möchte, derzeit noch aus.

Die Fusionen und Kooperationen werden weitergehen, der Branche steht eine turbulente Zeit bevor. Schon hat das DER öffentlich kundgetan, daß es auf Freiersfüßen unterwegs ist und nach neuen Partnern Ausschau hält. Wer bisher solo über die Runden kam, wie ITS und Alltours, zieht begehrliche Blicke auf sich.