Die meisten Fachleute hatten noch bis vor kurzem damit gerechnet, daß 1997 insgesamt mehr Autos hierzulande neu in den Verkehr rollen als im Jahr zuvor. Auch die Experten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg schätzten noch Anfang November, daß 3,6 Millionen Personenwagen ihre erste Zulassung erhalten - das war zu optimistisch. Nun stellt sich heraus, daß die Branche das Resultat von 1996 (3,5 Millionen) wahrscheinlich knapp verfehlt hat und zugleich weit hinter den Neuzulassungsrekorden von 1991 (4,16 Millionen) und 1992 (3,93 Millionen) zurückgeblieben ist. Dabei sah es nach der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im September noch ganz anders aus. Die vielen neuen Modelle brachten frischen Wind in das Neuwagengeschäft. Doch bereits im November fielen unter dem Strich die Neuzulassungen wieder zurück. Schuld daran hatte in erster Linie nicht mangelndes Interesse der Autokäufer, sondern die Unfähigkeit gerade der größten deutschen Konzerne, ihre neuesten Kreationen in der nötigen Quantität und Qualität zu liefern. Prominenteste Beispiele sind der Golf und die A-Klasse von Daimler-Benz. Weil Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch persönlich in letzter Minute auf einer Verstärkung der B-Säule zwischen Vorder- und Hintertür bestand, um auch einen britischen Crashtest mit Erfolg zu absolvieren, kam die Produktion des neuen Golf viel langsamer in Fahrt als geplant. Die Mercedes-A-Klasse ereilte dagegen das Unglück, wie es noch nie geschah. Der Elchtest brachte das originelle Fahrzeug mit dem hohen Schwerpunkt zum Kippen, woraufhin Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp ein Machtwort sprach: Die Auslieferung des Autos, für das bereits 100 000 Bestellungen vorlagen, wurde gestoppt.

Verglichen mit den ersten elf Monaten 1996 hat der Volkswagen Passat die meisten Plätze gutgemacht im Jahr zuvor lag er erst auf Rang zwölf. Am tiefsten stürzte der Ford Fiesta ab, der 1996 auf Platz sieben stand und nun in der Zulassungsstatistik erst an vierzehnter Stelle auftaucht.

Einschließlich des engen Verwandten Ford Ka allerdings, der neu hinzukam und von dem 55 000 Exemplare verkauft wurden, rangierte die Baureihe noch vor dem Opel Vectra. Für das Jahr 1998 ist die Branche optimistisch gestimmt. Allein die deutschen Autokonzerne schieben 700 000 Neuwagen-Ordern vor sich her - doppelt so viele wie sonst üblich. Der Industrieverband VDA rechnet deshalb bis Dezember mit 3,75 Millionen Neuzulassungen hierzulande.