Die Privatisierung der Deutschen Telekom war ein voller Erfolg - für Bonn. Schließlich machte der Staat mit der Verkaufsaktion kräftig Kasse. Für die Anleger haben sich die Blütenträume dagegen bisher nicht erfüllt. Nach einem kurzen Höhenflug fiel der Kurs der Telekom-Aktie steil ab und dümpelte zuletzt, nicht weit von seiner Ausgangsbasis entfernt, müde vor sich hin.

Jetzt holt der Bund zu einem neuen Schlag aus. In den nächsten Wochen soll ein ganzes Paket von Gesetzen verabschiedet werden, mit dem die Regierungskoalition den Finanzplatz attraktiver gestalten und das Aktiensparen populärer machen will. Und wieder springt für die privaten Anleger wenig dabei heraus. Teilweise verschlechtert sich ihre Position sogar deutlich gegenüber dem geltenden Recht. Profitieren werden dagegen die Geldhäuser und Großinvestoren von dem Vorhaben. Kein Wunder: Denn deren Frankfurter Avantgarde hat, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans Martin Bury argwöhnt, die Gesetzentwürfe der Bundesregierung weitgehend vorformuliert. Außerdem können sich die Banker auf den parlamentarischen Staatssekretär im Bonner Justizministerium, Rainer Funke, verlassen. Er kommt schließlich aus ihren Reihen.

Wie erfolgreich die Arbeit der Bankenlobby war, zeigt das 3.

Finanzmarktförderungsgesetz, das wahrscheinlich Anfang April in Kraft tritt.

Das "innovative" Paragraphenwerk sollte, so hatte es jedenfalls Jürgen Stark, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, einst verkündet, unter anderem das "Vertrauen der Anleger in die Wertpapiermärkte" stärken helfen.

Herausgekommen ist das pure Gegenteil: Das geplante Gesetz schränkt den Anlegerschutz beträchtlich ein.

Erstens wird die Frist für die Prospekthaftung verkürzt. Für unvollständige oder falsche Angaben in Verkaufsprospekten von Wertpapieren müssen deren Herausgeber künftig nur noch drei statt wie bisher fünf Jahre lang geradestehen. Die Anleger gucken also künftig früher in die Röhre, wenn das Papier in den Keller saust oder sich gar als wertlos erweist. Außerdem verringern sich mit der neuen Prospekthaftung die Ansprüche der Anleger auf Schadenersatz bei Kursverlusten. Demnächst wird höchstens noch der Erstausgabepreis erstattet. Wer mehr für ein faules Wertpapier bezahlt, hat Pech gehabt.