Der zweite Einschnitt in die Rechte der Anleger geht noch tiefer. Bisher mußten die Banken bis zu dreißig Jahre lang für die fehlerhafte Beratung bei Wertpapiergeschäften haften. Nun soll diese Frist auf ebenfalls drei Jahre reduziert werden. Damit soll Risikokapital gefördert werden, begründet die Bundesregierung. Die langen Haftungszeiträume hätten die Geldhäuser davon abgehalten, ihren Kunden Aktien zu empfehlen. Für SPD-Mann Bury ist die "massive Verschlechterung" der Beratungshaftung geradezu ein "Treppenwitz".

Denn sie würde "dubiosen Anbietern" auf dem grauen Kapitalmarkt "Tür und Tor öffnen". Außerdem lasse sich wegen mangelnder Transparenz bei einer ganzen Reihe von Anlageprodukten erst am Ende der Laufzeit feststellen, ob sie tatsächlich das bringen, was die Berater versprochen haben. Dann wären aber die Banken nach dem Gesetzentwurf längst aus dem Schneider. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) haut in dieselbe Kerbe und kritisiert scharf die geplante Verkürzung der Verjährungsfristen. Da Bonn die Interessen der Anleger mangelhaft, diejenigen der Unternehmen und Banken aber bevorzugt berücksichtige, müsse man sich fragen, "ob das 3.

Finanzmarktförderungsgesetz nicht eher als Bankenschutzgesetz einzustufen" sei.

Genausogut ließe es sich als Fördergesetz für die Fondsbranche bezeichnen.

Denn auch die Wünsche der deutschen Investmentgesellschaften, die wiederum den Banken und Versicherungen gehören, wurden von der Regierungskoalition eilfertig erfüllt. Wichtigster Punkt ist die Zulassung sogenannter Pensions-Sondervermögen. Sie sind als spezielles Anlagemedium für die private Altersvorsorge gedacht. Dabei handelt es sich im Prinzip um ganz normale Investmentfonds. Von den bereits bekannten Produkten unterscheiden sie sich nur dadurch, daß sie sowohl in Aktien als auch in Immobilien investieren dürfen. Neu ist denn auch weniger der Inhalt als vielmehr die Verpackung.

Denn der Investmentbranche kam es darauf an, die Bezeichnung "Pensions-Sondervermögen" vom Gesetzgeber anerkannt zu bekommen. Das amtliche Gütesiegel soll den Fondsanbietern helfen, sich im stark wachsenden Geschäft mit der privaten Altersvorsorge zusätzliche Marktanteile zu ergattern.

Entsprechend verschnupft reagierte die Assekuranz, die diesen Bereich als ihre Domäne ansieht. So sprach Hanns-Jürgen Weigel, Vorstandschef der Versicherungsgruppe Alte Leipziger, mit Blick auf die Pensions-Sondervermögen von "Etikettenschwindel". Denn diese Produkte würden den Anforderungen an die Altersvorsorge nicht gerecht.