Wer durch die thüringische Kleinstadt Hörselgau schlendert und in der Riedgasse vor dem Gebäude mit der Nummer sechs stehenbleibt, gerät mitten hinein in ein kurioses Stück Technikgeschichte. Auf einer Gedenktafel an der Gebäudewand steht: "In diesem Haus stellte Johann Jakob Burbach (1768-1834) 1809 den ersten nahtlosen Feuerlöschschlauch der Welt her."

Die Frage, wen zum Teufel das interessieren soll, stellt zumindest nicht, wer je einer Flammenhölle entronnen ist - dank schlauchbewehrter Feuerwehrleute.

Einmal entflammtes Interesse verlöscht auch nicht durch den Umstand, daß die Gedenktafel flunkert. Sie sei "eine Ente", urteilt Wolfgang Hornung-Arnegg, Verfasser des Standardwerks "Feuerwehrgeschichte". Zwar gründete der Webermeister Burbach um 1809 in Hörselgau eine Schlauchweberei, deren Nachfolgebetrieb - ein Gummiwerk - zwei Weltkriege und die Inflation überstand. Doch zum Leidwesen Hunderter Beschäftigter kam 1994 das Aus für den Hersteller von Einweckgummis, Schläuchen und Schuhsohlen. Den ersten nahtlosen Feuerwehrschlauch aber hat Burbach nicht erfunden. Wer sonst? Und wie war das überhaupt?

Als vor mehr als vierhundert Jahren die Feuerspritze erfunden worden war, blieb immer noch ein Löschproblem: Der Wasserstrahl ließ sich nicht gezielt auf den Brandherd lenken. Löschtrupps mußten das Wasser in Eimern herbeischleppen, dann beförderten sie es über ein Wenderohr auf der Feuerspritze mehr schlecht als recht durch ein offenes Fenster oder in hohem Bogen durch das bereits eingestürzte Dach in die Flammen. Wer dem Mißstand abhalf, indem er den Schlauch erfand, ist ungeklärt. In einer Augsburger Bauamtsrechnung aus dem Jahre 1588 ist erstmals von "ledernen Schläuchen" die Rede. Von dem 1636 geborenen Röhrenmeister Martin Löhner heißt es, daß er in Nürnberg "die Anwendung von Schläuchen für Feuerlöschzwecke zeigte". In seiner "Historischen Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern" berichtet Johann Gabriel Doppelmayr im Jahre 1730 über Löhner: "...

truge er auch noch zu mehrern Verbesserung der großen Feuerspritzen oder der sonsten so genannten Wasserkünste viel Gutes bey, daran er vornemlich am ersten in Nürnberg, wie die große lederne Schläuche recht zu appliciren und bey Feuers-Brünsten nützlich zu gebrauchen, auch das Wasser seinen natürlichen Fortgang haben möge, ebenfalls gezeiget." Die Schläuche waren für sechs Kreuzer von einem Schuster zusammengenäht worden, wie es in der Quelle aus dem Archiv des Deutschen Feuerwehrmuseums in Fulda heißt. Auch anderswo experimentierte man, angetrieben von den schlimmen Folgen der Häuserbrände.

In Amsterdam beförderte die Stadtverwaltung 1672 Jan van der Heyde zum städtischen Brandmeister. Der Maler hatte Vorschläge zur Verbesserung der alten Feuerspritze gemacht: Schläuche, das war die Lösung des Problems van der Heyde fertigte sie bald darauf in eigener Werkstatt.

Die schlauchbewehrte Spritze hatte den Vorteil, daß sie nicht unmittelbar am Brandherd aufgestellt werden mußte, sondern nahe bei der Wasserquelle, etwa einem Feuerlöschteich oder Kanal, stehen konnte. Ein Druckschlauch führte zum Brandherd und erlaubte den Angriff auf die Flammen im Haus, also aus nächster Nähe. Van der Heydes Schläuche waren aus Lederbahnen zusammengenäht und machten auch andernorts von sich reden. Acht Feuerspritzen mit Lederschläuchen etwa exportierte Holland im Jahre 1720 nach Leipzig.