"Die Geburtshilfe ist am wenigsten routiniert im Umgang mit dem Tod", sagt der Arzt, "aber wir lernen dazu." So wird in dieser Klinik nicht mehr auf die sofortige Einleitung einer Geburt gedrungen, die Mutter kann mitentscheiden, wann sie - innerhalb eines medizinisch verantwortbaren Zeitraums - ihr totes Kind hergeben möchte. Nur die wenigsten dieser Frauen, sagt Klaus Vetter, verstehen sich als "lebenden Sarg", und eine Gefährdung durch das Dead Fetus Syndrome könne erst vier bis sechs Wochen nach Absterben der Leibesfrucht eintreten.

"In der Mehrzahl ist das Klinikpersonal immer noch so hilfos wie der Rest der Gesellschaft auch", bedauert Jürgen Kempt, Mitglied der Selbsthilfegruppe Regenbogen, die sich der Trauernden annimmt. "Nur wenige Hebammen wissen, wie hilfreich es für die Eltern später sein kann, ein Photo ihres Babys zu haben, und wie traumatisch, wenn das Totgeborene in einer Bettpfanne oder einer Nierenschale schnell ,beseitigt' wurde, nicht gewaschen und angezogen, um es der Mutter in den Arm zu legen wie ein lebendgeborenes Kind."

Der Gesetzgeber scheint aufholen zu wollen in Sachen Menschlichkeit. War es bisher Pflicht, nur "Totgeburt weiblich" oder "Totgeburt männlich" zu beurkunden, so sieht nun ein Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums vor, daß das Kind mit eigenem Vornamen und dem Nachnamen der Eltern ins Geburtenbuch des Standesamtes einzutragen ist. Die Menschlichkeit fiel den Entwurfsverfassern leicht, denn: "Von den Regelungen des Entwurfs ist eine (kostenintensive) Mehrbelastung von Justiz und Verwaltung nicht zu besorgen."