Massive Kritik an Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften übt der touristische Branchenverband ASR. Überbuchte Hotels und Flugzeuge sind nach Ansicht des ASR-Vorstandsmitglieds Gerhard Knappe unseriöse Geschäftspraktiken.

Der Bensheimer Reisebürobesitzer geht mit den Gepflogenheiten der Tourismusbranche scharf ins Gericht: "Wenn ein Veranstalter in einem Hotel hundert Betten hat und hundertzehn verkauft, ist das ein Betrugsversuch."

Auch überbuchte Flugzeuge und willkürliche Flugplanänderungen im Charterverkehr verstoßen nach Knappes Einschätzung gegen "die Prinzipien ehrbarer Kaufleute".

Daß die Seriosität der Tourismusbranche im beinharten Konkurrenzkampf öfter auf der Strecke bleibt als früher, glaubt auch der Düsseldorfer Jurist Wolfgang Schuldzinski: "Die Versprechen der Reiseveranstalter und die Urlaubswirklichkeit klaffen immer weiter auseinander." Der Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen äußert den Verdacht, daß manche Billigveranstalter ihre Kataloghotels systematisch um zwanzig Prozent überbuchen.

Wer Pech hat, so Schuldzinski, "wird dann in ein schlechteres Hotel gekarrt, das der Veranstalter von vornherein unter Vertrag hat, aber über den Katalog nie hätte belegen können." Der Verbraucherschützer verweist darauf, daß man grundsätzlich den Reisepreis mindern kann, wenn man wegen Überbuchung mit einem anderen als dem bestellten Quartier vorliebnehmen muß.

Für jeden durch Umzug oder Hotelsuche verdorbenen Ferientag können Urlauber beispielsweise eine hundertprozentige Erstattung der anteiligen Kosten verlangen. Um die Ansprüche später durchzusetzen, muß man sich vom Veranstalter am Urlaubsort schriftlich bestätigen lassen, daß man die Mißstände reklamiert hat.

Dagegen müssen Pauschalurlauber geänderte Flugzeiten ihres Charterjets zumeist schlucken. Krasses Beispiel: Bei einem Hinflug um 8 Uhr und einem Heimflug um 18 Uhr können Urlauber noch auf Strandzeiten an beiden Reisetagen hoffen, bei einer kurzfristigen Umkehrung der Flugzeiten - spätabends hin, frühmorgens zurück - verkürzt sich der Aufenthalt am Urlaubsort um zwanzig Stunden. "Der An- und Abreisetag ist in erster Linie ein Reisetag", läßt die TUI ihre Kunden im Kleingedruckten vorsorglich wissen.