Wir hören, auch wenn wir lesen, und empfindlichen Ohren tut es weh, wenn 32 Reliefs von Hans Arp auf Seite 38 der vorigen ZEIT als "32 Reliefs Arps" vorgestellt werden. Wir haben eine Lautschrift, die Buchstaben sind optische Symbole für akustische Abläufe, wie die Noten, und auch im stummen Lesen übersetzen wir die Zeichen in Töne fürs innere Ohr zurück. Wenn viele Kinder und manche Greise beim Lesen die Lippen bewegen, so macht das anschaulich, daß sie im Grunde hören wollen. Für die Ohren sollte man schreiben, immer, und ein Autor, der sein Produkt darauf prüfen will, ob es leicht zu sprechen und gut zu hören, also angenehm zu lesen wäre, der lese es laut! Journalisten haben dazu entweder nicht die Zeit oder nicht den Raum, in dem sie ihren Text dieser Feuerprobe unterwerfen können, ohne sich lächerlich zu machen. Dann bleibt nur der Versuch, beim Schreiben das innere Ohr zu schärfen. Die Deutschen seien "gegen Kakophonien so empfindlich wie Ambosse", sagt Schopenhauer. Aber es können nur die Schreiber, nicht die Leser und Hörer sein, die er gemeint hat - alle Tests mit Reliefs Arps legen es nahe.