Während in Hongkong an der neuen Vogelgrippe in acht Monaten knapp zwei Dutzend Menschen erkrankten und vier starben, forderte eine mysteriöse Seuche innerhalb weniger Wochen mehr als 850 Todesopfer in Ostafrika. Dennoch beschäftigte die Vogelgrippe die Weltpresse mehr als das Massensterben in Afrika. Dabei erfordert der Grippeerreger H5N1 nach Einschätzung der WHO weder Quarantänemaßnahmen noch Reisebeschränkungen, weil er von Mensch zu Mensch nur schwer übertragbar ist, wenn überhaupt. Ob das spektakuläre Hühnerschlachten in Hongkong sinnvoll war, muß sich erst zeigen. Denn Viren kennen keine Stadtgrenzen - warum sollten sie nicht auch im benachbarten Festland stecken? Die teure Aktion dürfte den Verlauf der Krankheit etwas gebremst und Ängste in der Bevölkerung abgebaut haben.

Nach langem Rätseln, ob in Afrika eine Ebola-, Gelbfieber- oder Milzbrandepidemie wüte, erklärte David Heymann von der WHO kürzlich, das Rift-Tal-Virus sei als wichtigster Killer identifiziert. Diese Mikrobe, die Fieber und innere Blutungen auslöst, wird durch Blutkontakt beim Schlachten kranker Tiere oder von Stechmücken übertragen. Hinzu kämen vermehrte Fälle von Malaria und Cholera. Infolge der Überschwemmungen leiden in Kenia und Somalia viele Menschen Hunger - und holen sich durch verseuchte Nahrung den Tod. Eine Gefahr für Touristen bestehe in Ostafrika nicht. Das Sterben finde nämlich fernab der beliebten Reiseziele statt.