Der Intendant des ZDF, der Herr Stolte, der sei ja ganz gern ein öffentlicher Vordenker, sagt der Intendant des NDR, der Herr Plog. Aber dem Generalangriff auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen, den der Herr Doetz, Sat.1-Geschäftsführer und Präsident des Verbandes der privaten Rundfunkbetreiber, der Republik noch vor dem Jahreswechsel beschert habe, müsse man gar nicht so viel Beachtung schenken.

Natürlich kann Jobst Plog nichts dagegen haben, wenn Dieter Stolte Jürgen Doetz in der ZEIT wegen seiner absurden Ansichten prompt und auf fast einer ganzen Seite die Leviten liest ( ZEIT Nr. 51/97): "Aber im Ernst: So viel Aufmerksamkeit verdient der Doetz doch gar nicht. Der Mann ist politisch ein ausgesprochenes Leichtgewicht. Und kennen Sie irgendeine nennenswerte Person, die auf diese abstrusen Vorschläge auch nur irgendwie positiv reagiert hätte?"

Zur Erinnerung: Im November letzten Jahres hatte der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) in seiner "Kommunikations- und Medienordnung 2000 plus" vorgeschlagen, die acht Dritten Programme der ARD, Arte, 3sat, Phoenix, den Kinderkanal und die neuen Digitalangebote von ARD und ZDF abzuschaffen; ebenso einen Großteil der gegenwärtig 54 landes- und bundesweiten Hörfunkprogramme. 3sat und Arte sollten fusionieren, der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk möge auf den "schnell abnehmenden Anteil von Inhalten im Bereich der Bildung und Kultur" beschränkt und nur noch dort über Gebühren finanziert werden, wo "durch privatrechtliche Kommunikationsunternehmen nachweislich Inhalte nicht angeboten werden, deren Fehlen die kulturelle und soziale Entwicklung der Gesellschaft beeinträchtigen würde."

Jobst Plog, 56, bis zum Jahr 2002 gewählter Intendant des Norddeutschen Rundfunks, winkt das VPRT-Thema lässig ab. Nein, dieser Ausfall gleiche dem sprichwörtlichen Schlag ins Wasser. Nicht einmal dem Gedanken, der Gegner aus dem kommerziellen Lager wolle ja "nur" seine Wunschvorstellung ("Eigentlich sind die öffentlich-rechtlichen Sender überflüssig und allenfalls als Spartenkanal für ausländische Minderheiten von Nutzen") langfristig salonund stammtischfähig machen, nicht einmal dem kann Plog irgendeinen Reiz abgewinnen. Wenn es denn unbedingt einer Interpretation der VPRT-Attacke bedürfe, sagt er, dann lasse sich an ihr allenfalls eines ablesen: wie gut die öffentlichrechtlichen Anstalten letzten Endes alle Angriffe der privaten Konkurrenz, zumindest bislang, überstanden hätten. "Daß das Leute wie den Herrn Doetz wurmt und nervös macht, nun gut, das immerhin kann man verstehen."

Das Selbstbewußtsein des Jobst Plog ist schon bemerkenswert. Da hatte im vergangenen Jahr das Thema "Public Television im Zeitalter der medialen Entgrenzung" Konjunktur wie nie zuvor. Da warnten selbst treue Wegbegleiter des öffentlichrechtlichen Rundfunks ARD und ZDF vor einer Programmentwicklung, die sie allzusehr in die Nähe der Privaten rücken und damit erneut, nolens volens, die Gebührendiskussion anheizen würde, den neuralgischen Punkt des Public TV.

Parallel dazu ließen auch 1997 die kommerziellen Medienbetreiber nichts unversucht, um die attraktiven Angebote - Sport und Spielfilm - aus dem Markt herauszukaufen und beim digitalen TV die eigenen Reihen, über alle Interventionen aus Bonn und Brüssel hinweg, zu schließen. Und das alles ficht den NDR-Intendanten wirklich nicht an?

Nun wolle er ja nicht - wie seine beiden Intendanten-Kollegen Fritz Pleitgen vom WDR und Dieter Stolte vom ZDF - behaupten, daß es in keinem Land der Welt um das öffentlich-rechtliche Fernsehen besser bestellt sei als in der Bundesrepublik - England und die vielbewunderte BBC eingeschlossen. Aber daß "das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich in Deutschland nicht von selbst erledigt, ja daß es ihm gegenwärtig geradezu prächtig geht", steht für ihn fest. "Der ARD sogar etwas prächtiger als dem ZDF, weil sie für das digitale Zeitalter besser gerüstet ist."