Sie werden immer schöner, bunter und billiger, die Bücher über Essen und Trinken. Die internationale Zusammenarbeit der Verleger, auch Globalisierung genannt, macht sich bemerkbar. Über das beliebte Thema wird inzwischen mehr geschrieben als über das Versagen der Männer. Verständlicherweise sind lupenreine Kochbücher kaum noch darunter. Denn die lassen sich nicht beliebig vermehren, weil alle Rezepte bereits mehrmals (ab)geschrieben worden sind. Aber ein immer wieder neuer Hintergrund, ein Hauch von Ostsee oder Mittelmeer, die Betonung auf Desserts oder Suppen - all das genügt für das Fortbestehen der Spezies. Immer sind sie großzügig und oft großartig bebildert, manchmal sogar lesbar geschrieben. Coffee-table books allesamt, und viele sind kurzweiliger als das Fernsehprogramm.

Ob sie allerdings immer den Nutzen bringen, den der Titel suggeriert, ist eine andere Sache. Zu den gutgemeinten Lebenshilfen gehört auch der Versuch, den verschiedenen Speisen einen passenden Wein zuzuordnen. Das ist schlechthin unmöglich; denn der Autor weiß zwar, wie ein Chevalier-Montrachet schmeckt, nicht aber, wie der Leser seine Saucen würzt. Und das allein entscheidet. Und alles wird hinfällig, wenn sich die Mode wieder einmal ändert: Im vorigen Jahrhundert trank man süße Weine zu Austern!

Wahrscheinlich gibt es auch bei der Anlage von Kräutergärten modische Strömungen zu berücksichtigen; der positive Einfluß der Kräuter auf den Geschmack des Essens wird jedenfalls überschätzt. Vor allem aber macht es einen Unterschied, ob ich den Garten in Flensburg anlege, in Freiburg oder bei Siena.

Noch gefährlicher als meteorologische Unbilden sind die kriechenden und krabbelnden Vandalen. Beispielsweise Heere von Schnecken, deren erste Armee den Sauerampfer verwüstet, während die zweite Armee das Basilikum niedermacht. Sie werden unterstützt von den Geschwadern von Läusen, wohingegen Feldmäuse, Maulwürfe und andere Untergrundkämpfer in den Fundamenten wüten.

Der einzig sichere Kräutergarten steht in Blumentöpfen auf der Küchenfensterbank. So sind denn auch Ratgeber für eine Estragonplantage zuerst einmal - wie alle diese Ratgeber - Bücher zum Schmökern am Kamin, während Polarluft ums Haus heult.

Das trifft noch mehr auf Bücher über den Wein zu. Sie sind so einseitig wie Photobände über Ferrari, deren einziges Thema das rote Blech der teuren Renner ist. Solche Bücher werden für Fanatiker publiziert, die nicht genug über den Gegenstand ihrer Liebe erfahren können. Deshalb stört es sie nicht, wenn es immer wieder nur der Château d'Yquem, immer Mouton- und Lafite-Rothschild mit dem unbezahlbaren Dutzend anderer Prestigeweine sind, die im Mittelpunkt dieser Bücher stehen. Der praktische Nutzen dieser Ikonographien ist gleich Null. Seit wann, halten jetzt die Schlucker dagegen, hat Schönheit einen Nutzen? D'accord.

Völlig irreal sind Degustationsnotizen, mit denen der Engländer Michael Broadbent berühmt geworden ist und die jetzt auch von anderen professionellen Degustatoren veröffentlicht werden. Sie sind nicht einmal bebildert (womit denn auch?) und vermitteln so ungeheuer interessante Auskünfte wie beispielsweise über einen Château Lafite von 1880, zu dem Michael Broadbent notierte: "... Ähnliches Erscheinungsbild wie im Vorjahr; sehr entgegenkommendes Eichenbukett mit rauchigen Anklängen, entsprechender Geschmack. Etwas ,süßer' und in gewisser Hinsicht besser als der 1879er, am Ende allerdings ein bißchen verzogen."