"Jeder bei Microsoft scheint genau 31,2 Jahre alt, und das fällt irgendwie auf."

Douglas Coupland, "Microserfs"

Manchmal, etwa wenn Bill Gates auf einer Computerkonferenz der Konkurrenz zuhören muß, erinnert er an eine Raubkatze - zum Sprung bereit. Den Feind fest im Auge, wiegt der Microsoft-Chef dann seinen Körper vor und zurück, als wolle er jeden Moment angreifen.

Wenig charakterisiert die Softwareschmiede besser als dieses eigentümliche Verhalten ihres Gründers: Microsoft ist ein äußerst aggressives, manche meinen, regelrecht kriegerisches Unternehmen. Es ist stets bereit, den nächsten Markt zu erobern - und das nicht immer mit ganz sauberen Mitteln.

Der erstaunliche Machtdrang war bisher Microsofts Erfolgsgeheimnis. Ohne ihn wäre aus der Programmierklitsche mit einem Dutzend jugendlichen Kollegen kaum in nur zwei Jahrzehnten ein Softwarekonzern mit mehr als 22 000 Beschäftigten geworden, der an der Börse in New York fast 160 Milliarden Dollar wert ist. Doch mittlerweile wird die Aggressivität von Microsoft und seinen Managern immer mehr zu einem Problem. Nicht zuletzt sie brachte dem Unternehmen ein Kartellverfahren ein, welches einige Experten schon an jenes erinnert, das Anfang der achtziger Jahre zur Aufspaltung des Telekomriesen AT&T führte.

Die Kampfkultur dürfte auch der Hauptgrund sein, sollte Microsoft nächste Woche seine erste große Niederlage vor Gericht erleben. Denn das Unternehmen zeigte sich bisher nicht gerade kooperativ - weswegen die Wettbewerbshüter in Washington verlangen, ihm bis auf weiteres eine Geldstrafe von einer Million Dollar am Tag aufzubrummen. Schon prophezeien Experten, Microsofts Schicksal hänge vor allem davon ab, wie der Softwarekonzern seine Natur in den Griff bekommt. Unternehmen müssen diplomatischer und weniger kriegerisch geführt werden, meint etwa John Markoff, Silicon-Valley-Korrespondent der New York Times und einer der renommiertesten Technologiejournalisten jenseits des Atlantiks.

Microsoft-Manager gehen in diesen Tagen in Deckung - sollte man meinen. Nicht so Steve Ballmer: Wenn er derzeit auf das Betriebssystem seines Hauses angesprochen wird, das Windows heißt und bereits neunzig Prozent aller Personalcomputer weltweit steuert, dann ist er kaum noch zu bremsen. "Was unsere Kunden brauchen, ist klar", wettert er dann. "Mehr, mehr, mehr Windows."